Mutationen der Zukunft

Bei den verschiedenen als Heimtiere gehaltenen Tierarten kommt es immer wieder zu Farbmutationen, die sich artübergreifend in hohem Maß ähneln. Eines der bekanntesten Beispiele ist wohl der vollständige Albinismus, der zu rein weißen Tieren mit roten Augen führt und bei vielen Spezies dokumentiert ist.

Gerade bei Nagetieren finden sich bemerkenswerte Parallelen. Das ist auch der Grund warum das Auftreten blauer Goldhamster die Züchter_innen zwar in große Begeisterung versetzte, jedoch niemanden richtig überraschte. Bei Ratten, Mäusen, Campbell-Zwerghamstern, Dsungarischen Zwerghamstern und zuletzt auch Rennmäusen war diese Mutation schon bekannt. Man konnte sich also ausrechnen, dass es auch beim Goldhamster nur eine Frage der Zeit sein sollte.

 

Mutationen sind meistens an den Zufall gebunden. So will es der Zufall, dass gerade bei der Mongolischen Rennmaus, von der es unübersehbar viele Farbschläge gibt, keine Braun-Mutation (b) bekannt ist.
Ich selbst warte seit Jahren auf die non-Agouti-Mutation bei der Vielzitzenmaus (nachdem die Pink-Eyed-Dilution schon vor Jahrzehnten auftrat).

 

Dieser Blogartikel spekuliert mithilfe retuschierter Fotos über das, was uns beim Campbell-Zwerghamster vielleicht erwartet oder worauf wir auch vergeblich warten werden.

Agouti- oder A-Locus

Black and Tan
Black and Tan (a[t]/a)

Der Agouti-Locus ist zuständig für die Bänderung des Fells. Beim Campbell-Zwerghamster sieht man in der Wildfarbe (A/a) ein schwarzes Haar mit gelbbraunen Spitzen. Die Haarfarbe wird durch das schwarze Eumelanin und das rote Phäomelanin gebildet. Die Mutation a/a führt dazu, dass das Haar kein Phäomelanin bildet und das Tier somit von der Wurzel bis zur Spitze komplett schwarzes Fell hat.

 

at

Bei Hunden, Kaninchen, Meerschweinchen und Farbmäusen ist zudem die Black Tan-Färbung bekannt, welche die beiden Pigmente auf Körperregionen getrennt verteilt. Die Körperoberseite ist grob gesagt schwarz (Eumelanin), die Unterseite rot (Phäomelanin). Bei Mäusen kommt dies beispielsweise durch die Kombination eines a mit der Tan-Mutation at zustande.

 

ae

Insbesondere für die Showzucht wäre eine bei der Farbmaus bekannte Mutation ae hilfreich. "Extreme Non-Agouti" intensiviert die Färbung von Nonagouti. Somit kämen lackschwarze Tiere mit aeae ohne graue oder getippte Einzelhaare den Anforderungen des Standards bedeutend näher.

Colour- oder C-Locus

Auf dem C-Locus sind sehr interessante Mutationen verortet. Beim Campbell-Zwerghamster ist bisher nur die Mutation c aufgetreten. Diese führt zu vollständiger Farblosigkeit (Okulokutaner Albinismus Typ 1). Vollständiger Albinismus ist eine sehr häufige Mutation und kommt bei vielen Tierarten vom Laubfrosch bis zum Menschen vor.

 

Weniger häufig ist Akromelanismus, auch bekannt als Kälteschwärzung. Bedingt durch eine temperaturempfindliche Tyrosinase wird an den warmen Körperstellen kaum bis gar kein Pigment gebildet, während die kälteren, von der Körpermitte entfernten Partien (Nase, Ohren, Füße, Schwanz) dunkel gefärbt sind. Am besten bekannt ist diese Färbung wohl bei Siamkatzen (cs) oder Russenkaninchen. Oftmals ist die Ausfärbung unterschiedlich, je nach dem ob das ch in Kombination mit einem c oder einem zweiten ch auftritt. Bei Farbmäusen und Farbratten spricht man von den Farbschlägen Himalayan (ch/c) und Siamese (ch/ch). Auch bei Meerschweinchen (Russe/Himalaya), Mongolischen Rennmäusen (z.B. Hermelin, "Marder, hell"), Goldhamstern (Dark Eared White), Hausrindern (White Park Cattle) kommen akromelanistische Formen vor.

 

Noch seltener, aber nicht weniger bekannt ist das Chinchilla-Gen (cch), abgeleitet von der Färbung des Chinchillas. Diese Mutation ist sowohl bei Farbmäusen als auch bei Farbratten aufgetreten. Die Campbell-Mutation Dark Gray wurde ursprünglich für Chinchilla gehalten, jedoch stellte sich durch Kreuzung mit Albinos (c/c) heraus, dass Dark Gray auf einem anderen Locus liegen muss. Auch bei Hauskatzen und Kaninchen gibt es homologe Färbungen. 

Extension- oder E-Locus

Red
Recessive Red (e/e )

Leuchtend rote Tiere mit schwarzen Augen wären für viele Halter_innen und Züchter_innen, die sich mit den rotäugigen Beige-Varianten nicht anfreunden können, ein echter Zugewinn.

Die vollständige Ausbreitung von rotem Phäomelanin im Haar und damit die Verdrängung des schwarzen Eumelanins führt zu einem einfarbig roten Tier. Jenes Phänomen gibt es bei Farbmäusen schon viele Jahrzehnte, nur leider hat die Ay-Mutation auch gesundheitlichen Beschwerden mit sich gebracht, sodass Dominant Yellow glücklicherweise kaum mehr gezüchtet wurde. Die um einiges jüngere Mutation auf dem E-Locus (e/e) ist in Deutschland als Recessive Red bekannt und bringt gesunde, einfarbig rote Mäuse mit schwarzen Augen.

 

Eine Entsprechung zum Dominant Yellow der Farbmaus könnte übrigens das Mandarin beim Dsungarischen Zwerghamster sein [mehr dazu].

 

und so weiter

Die Reihe an möglichen Mutationen ließe sich lange fortführen. Nicht nur bei den Farbgenen, sondern auch bei den Zeichnungen könnte uns noch die eine oder andere Überraschung erwarten.

Zudem kursieren immer wieder Gerüchte über ein Langhaar-Gen. Ob dieses jedoch weniger bedenklich ist, als die bereits bekannten Haarstrukturmutationen ist unklar. Zumindest bei Farbmäusen und Meerschweinchen bereitet die Strukturmutation "Rosette" wohl keine Probleme.

 

 

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