Wer erforscht die Platinum-Frage?

Die Züchter_innen- und Halter_innenszene ist in vielen Bereichen gespalten durch unterschiedliche Ansichten, verschiedene Deutungen und unauslöschliche Mythen. Während beim Goldhamster ein fortwährendes Für und Wider der Weiterzucht oder Auslöschung des relativ verbreiteten Rex-Gens diskutiert wird, gibt es bei Campbell-Zwerghamstern eine weniger emotional geführte Diskussion in Bezug auf Tiere mit Satinfell.
In vielen Fällen wird versucht, (halb)wissenschaftliche Quellen heranzuziehen, um seine eigene These zu untermauern. Leider gibt es zur Genetik der Hamsterartigen bei Weitem nicht so viel Material wie für etabliertere Labortiere, wie die Farbmäuse, bei denen die wissenschaftliche Untersuchung der Genmutationen dicke Bände und einen ganzen Onlinekatalog füllen.
An dem fehlenden Wissen im Bereich der Genwissenschaft wird sich in nächster Zeit wohl nichts ändern. Die einzige Möglichkeit ist, selbst aktiv zu werden, umfangreich Daten zu sammeln und eventuell sogar selbst Testreihen durchzuführen.

Homozygot Platinum... letal oder nicht?

Als Beispiel soll die Frage stehen, ob das dominante Versilberungsgen Platinum (Pl) bei heterzygotem Auftreten (Pl/Pl) zu nicht lebensfähigen oder aber rein weißen Nachkommen führt. Hierzu gibt es seit Auftreten der Mutation unterschiedliche Ansichten.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in Platinum-Linien rein weiße Tiere vorkommen. Dies wird einerseits mit dem Zusammentreffen zweier Platinum-Allele erklärt, andererseits mit einem aufhellenden Modifikator di, der nur in Kombination mit Platinum sichtbar wird und in der Kombination aus Pl/pl di/di zu weißen Jungtieren führt.
Also entweder werden rein weiße Tiere verursacht durch Pl/Pl oder durch Pl/pl di/di

Beweise, die keine sind

Man könnte eine Testverpaarung machen um zu versuchen, den Fall zu klären. Jedoch sollen folgende Beispiele zeigen, dass einzelne Verpaarungen schnell angezweifelt werden können:

1. Eine Züchterin verpaart zwei Platinum-Eltern und erhält vier gesunde und kräftige Jungtiere, eins davon ist weiß. Sie fühlt sich bestätigt: Pl/pl x Pl/pl führt zu 25% weißem Nachwuchs (Pl/Pl)
 --> Züchterkolleg_innen zweifeln: Das weiße Jungtier könnte genauso gut auch Pl/pl di/di sein und die heterozygoten Platinums (Pl/Pl) sind im Mutterleib gestorben.

2. Ein Verfechter der di/di-These untermauert dieselbe, als er erzählt, dass er schon einmal bei einem Wurf von Platinum und einem einfarbigen Tier  (Pl/pl x pl/pl) ein rein weißes Jungtier hatte, das ja Pl/pl di/di sein musste
--> Es wird kritisiert, dass ein weißes Tier in mehreren Jahren der Zucht statistisch gesehen unglaubwürdig sei. Zudem wird die Genetik der Elterntiere bezweifelt. Das einfarbige Elterntier sei wahrscheinlich ein nur wenig ausgeprägter Platinum gewesen sodass die Verpaarung Pl/pl x Pl/pl gewesen sein muss1

Forschung mittels Datenanalyse und Testreihen

Einen Ansatz, sich der Lösung des Problems zu nähern, wäre eine Umfrage bei Züchter_innen, die auch Platinum in ihren Linien haben und hierzu ausreichend Buch führen. Zunächst einmal muss geklärt werden: Was ist Platinum? Also wie sehen Tiere mit Gencode Pl/pl aus und wie gerade nicht?
Nach der Klärung dieser Frage  empfiehlt sich eine Analyse sämtlicher Würfe aus Verbindungen mit definitionsgemäßen Platinums auf die Faktoren "Wurfgröße" und  "Farbverteilung" hin. Finden sich nicht ausreichend Daten aus der Vergangenheit, kann auch eine eigene Testreihe durchgefürt werden.
Grundsätzlich sollten alle Verpaarungen Pl/pl x Pl/pl und alle Verpaarungen Pl/pl x pl/pl im Vergleich betrachtet werden.

Bei einer großen Stichprobe müssten allein durch die Betrachtung der beiden oben genannten Faktoren schon aussagekräftige Ergebnisse zustande kommen

Auswertung und Konklusion

Hierzu wieder einige Beispiele:

 

(A) Führt man Verpaarungen von Platinums (Pl/pl) mit einfarbigen Tieren (pl/pl) durch, müssten 50% der Jungtiere Platinums sein und 50% einfarbig.
Ist auch nur ein Tier rein weiß, wäre das ein Hinweis darauf, dass es den Modifikator di wirklich gibt, oder das einfarbige Elterntier eventuell doch Pl/pl hat. Letzteres muss also im Vorfeld unbedingt ausgeschlossen werden

 

(B) Bei der Verpaarung von Platinum mit Platinum  (Pl/pl  x Pl/pl) sollte die Farbverteilung des Wurfes folgende sein
50% Platinum
25% einfarbig
25% weiß
Da hier bewiesen werden soll, dass keine Jungtiere im Mutterleib verkümmert sind, muss unbedingt auf die Wurfgröße geachtet werden: Bei jedem Östrus können sich maximal neun Eizellen in die Gebärmutter einnisten. Eine Wurfzahl von acht wird jedoch so gut wie nie überschritten.
Kommen in einer Reihe von reinen Platinum-Verpaarungen Würfe mit acht lebenden Jungtieren zur Welt, wären diese ein sicherer Beweis, dass keine Embryonen abgestorben sind2.

 

(C) Betrachtet man Verpaarungen Platinum x Platinum und Platinum x Einfarbig im Vergleich, sollten die verwendeten Zuchttiere nah verwandt sein. So ist sicher gestellt, dass sich in jeder Testgruppe gleich viele Tiere mit Di/di, di/di und Di/Di befinden und man kann damit feststellen ob der di-Modifikator wirklich Ursache rein weißer Jungtiere ist.
Wenn Pl/pl di/di weiße Jungtiere ergibt, müssten sowohl bei reinen Platinumverpaarungen als auch bei gemischten Verpaarungen (Platinum x Einfarbig) 12,5% der totalen Nachkommen weiß sein (genauere Wahrscheinlichkeitsrechnungen finden sich ganz unten).  Geht man davon aus, dass in diesem Konstrukt Embryonen mit Pl/Pl absterben, wäre bereinigte Prozentsatz von weißen Jungtieren in der Testgruppe Platinum x Platinum höher (16%).
Kommen jedoch nur ein der einen Gruppe weiße Jungtiere vor und in der anderen nicht, ist Pl/pl di/di als Gencode für weiße Tiere stark anzuzweifeln.

Es ist an der Zeit, dass sich jemand der Frage annimmt, Forschung betreibt und diese natürlich auch veröffentlicht.

Da ich keine Platinums mehr habe, ist dies für mich nicht möglich; vielleicht gibt es jemand anderes, der_die gerne auch mit meiner Unterstützung Testreihen durchführen möchte.

 

Wichtig in jedem Fall ist: Veröffentlichen. Die Ergebnisse müssen transparent und nachvollziehbar aufbereitet sein und sich einer Kritik stellen können.

Prozentuale Verteilungen

Betrachtet man sich die Verteilung der fallenden Farbschläge auf unterschiedliche Kombinationen und Thesen, dürfte es kein Problem sein, eine klare Aussage zu treffen.

Farbverteilung
- wenn Pl/Pl lethal
- wenn Pl/pl di/di weiß

 

Platinum x Platinum

Pl/pl Di/di x Pl/pl Di/di
25%               letal (Pl/Pl -/-)
37,5% (48%) Platinum (Pl/pl Di/-)

25%    (32%) einfarbig (pl/pl -/-)

12,5% (16%) weiß (Pl/pl di/di)

 

Platinum x Einfarbig

Pl/pl Di/di x pl/pl Di/di

50%    einfarbig (pl/pl -/-)

37,5% Platinum - (Pl/pl Di/-)
12,5% weiß (Pl/pl di/di)

 

 

Farbverteilung
- wenn Pl/Pl lebensfähig und weiß
- wenn di/di nicht weiß

 

Platinum x Platinum

Pl/pl x Pl/pl

50% Platinum (Pl/pl)

25% weiß (Pl/Pl)
25% einfarbig (pl/pl)


Platinum x Einfarbig

Pl/pl x  pl/pl
50% Platinum (Pl/pl)
50% einfarbig (pl/pl)



1Dass manche Tiere von den einen als Platinum angesehen werden und von anderen als einfarbig, kommt häufiger vor als vermutet und unterstützt damit gleichzeitig die These des Modifikators di, der zu einer hohen Varianz an Ausprägungen führt.

2Wurfgrößen sind oft auch durch andere Faktoren beeinflusst. Kleine Würfe bei Verpaarungen von Platinum x Platinum sind kein Beweis für abgestorbene Keimlinge, sofern nachweisbar ist, dass verwandte Tiere unter gleichen Bedingungen in Verpaarungen Platinum x Einfarbig genauso kleine Würfe hatten.

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