Gencodes ermitteln

Was früher noch nur wenige Züchter_innen interessiert hat, wird nun selbst für Halter_innen, die keine wirklichen Zuchtambitionen haben, zu einer wichtigen Information: Der Gencode ihres Heimtieres.

Oft bekommt man diesen mit dem Stammbaum oder Herkunftsnachweis mitgeliefert. Wie jedoch kann man den Gencode eines Tieres ermitteln, wenn man ihn noch vorliegen hat?

Gencodes sind relativ einfach aufgebaut: Für jedes Merkmal gibt es ein Zeichen bzw. einen Buchstaben. Da Mensch und Tier fast immer einen doppelten Chromosomensatz haben, wird zur Darstellung des Merkmals das Zeichen zweifach angegeben. Die Reihenfolge ist nicht frei wählbar: Dominante Genausprägungen (Großbuchstaben) werden vor rezessiven oder subdominanten (Kleinbuchstaben) geschrieben. Wie zum Beispiel bei der Genausprägung Agouti: A/A

Der erstgenannte Buchstabe gibt in den meisten Fällen Aufschluss darüber, wie das Tier aussieht (Phänotyp), der zweitgenannte Buchstabe komplettiert dann den vollständigen Genotyp. Bei der Kreuzung Agouti (A/A) mit Black (a/a) erhalten wir Jungtiere mit dem Gencode (A/a). Wir sehen also schon am erstgenannten Buchstaben dass es sich um ein Tier mit Agoutifärbung handelt. Der zweite Buchstabe sagt jedoch aus, dass es einen Nonagouti-Hintergrund hat.

Äußere Erscheinung

Die erste Aussage zum Gencode lässt sich schon treffen, wenn man sich ein Tier bloß ansieht. Selbst bei einem Agouti-Tier ohne Scheckung und mit Standardfell kann man also sagen, der Gencode lautet:

 

A/- B/- C/- D/- P/-

Das Minus markiert, dass es sich hier um eine Unbekannte handelt. (Natürlich gibt es auch eine Reihe anderer Merkmale, sodass die Aufzählung von Buchstaben sehr lang werden würde. Ich beschränke mich bei dem Beispiel auf die gängigsten fünf)

 

Leichter ist der Fall bei Tieren in denen sich viele Farbmutationen vereinen. Einem Campbell-Zwerghamster des Farbschlags Blue Beige sieht man immerhin diesen Gencode an:

 

A/- b/b C/- d/d p/p

Die Zahl der Unbekannten verringert sich.
Schwieriger wird es jedoch bei Albinos. Da diese Mutation bei homozygot-rezessiver Ausprägung alle Pigmente buchstäblich "löscht", kann hier über den Gencode nur folgendes gesagt werden:

 

-/- -/- c/c -/- -/-

Ein Tier mit vielen rezessiven Genen (A/a b/b C/C D/- p/p sa/sa)
Ein Tier mit vielen rezessiven Genen (A/a b/b C/C D/- p/p sa/sa)

Das Aussehen der Eltern

Weiteren Aufschluss bieten da vielleicht die Fellfarbe und -struktur der Eltern. Stammt ein Agouti-Tier beispielsweise von einer Black-Mutter (a/a) und einem Opal-Vater (d/d) ab, können wir mit Sicherheit sagen, dass unser Agouti folgenden Gencode hat:

 

A/a B/- C/- D/d P/-

 

Beim Albino, der von Albino-Eltern abstammt verändert sich bei der Ermittlung des Gencodes verständlicherweise nichts...

Das Aussehen der Nachkommen

Letztlich kann nur noch eine gezielte Verpaarung den Gencode unseres Tieres mit unbekanntem Gencode offenlegen. Wenn die letzten fraglichen Merkmale C/- und P/- sind, kann das Tier mit einem Partner gekreuzt werden, bei dem diese Merkmale nachweislich rezessiv ausgeprägt sind (b/b c/c p/p). In der Kaninchen- und Rennmauszucht kennt man Tiere mit vielen rezessiven Genkombinationen als Separatoren. Entsteht aus der Verbindung wenigstens ein Albino (c/c), ein braunaufgehelltes (b/b) oder wenigstens ein rotäugiges Tier (p/p), ist der Gencode entschlüsselt:

 

A/a B/b C/c D/d P/p

 

Ist dies nicht der Fall, kann man vielleicht davon ausgehen, dass der Gencode anders aussieht:

A/a B/B C/C D/d P/P

 

Oder hat der Zufall es gewollt, dass kein Tier aus dem Wurf die Ausprägung hat und im nächsten Fall könnte es anders sein? Zur Sicherheit empfiehlt sich hier, lieber einmal mehr ein Minus für unbekannt zu nutzen und nur bei Reinzucht-Stämmen wirklich auch homozygot-dominante Schreibweisen zu nutzen.


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