Degus: Red + Black = ?

Red (e/e)
Red (e/e)

Das Aufkommen neuer Farbmutationen löst bei kleinen Nagetieren immer auch Spekulationen über neue Kombinationsmöglichkeiten mit bereits vorhandenen Farbvarianten aus. Bei Degus (Ocotodon degus) war dies anfangs nicht unbedingt mit großen Überraschungen verbunden. Die Kombination der beiden ersten Mutationen, nämlich der Blauaufhellung (d/d) und der Scheckung (W/w), hat blau aufgehellte Schecken hervorgerufen.

Mit der Verbreitung der meist als sandfarben bezeichneten rezessiv roten Degus (e/e), wurde es jedoch interessant. Ziemlich schnell wurden die ersten Cream-Degus (d/d e/e) angeboten und teilweise sogar für viel Geld von Züchter_innen gekauft, die selbst eigentlich Tiere in den entsprechenden Ausgangsfarben in ihrem Bestand hatten...


Um etwas Ordnung in die auf den ersten Blick nicht so leicht überschaubaren Kombinationsmöglichkeiten zu bringen, habe ich hierzu vor einiger Zeit eine vollständige Tabelle erstellt: Degu-Farbgenetik.

Kurz nach der Veröffentlichung von Fotos der ersten Würfe mit schwarzen Degus (a/a), wurde natürlich spekuliert, welche Kombinationen mit den bereits bekannten Farben nun möglich seien. Dass die Kombination mit der Scheckung einfach schwarz-weiße Degus hervor bringt, war den meisten klar. Das erste Foto eines durchgehend blauen Degus (a/a d/d) hat viele Menschen begeistert, aber nur die wenigsten überrascht. Nun wird mit Spannung die Kombination von Red und Black erwartet.

Sofern es sich bei den beiden Mutationen tatsächlich um Non-Agouti (a/a) und die rezessive Extension-Ausprägung von (e/e) handelt, wird die Kombination daraus aller Wahrscheinlichkeit nach rot sein und sich nicht von A/a e/e unterscheiden. Eine weitere Möglichkeit ist ein Rot mit schwarzem Tipping.

Der Agouti-Locus und der Extension-Locus sind Loci, die die Ausbreitung oder Anordnung der beiden Pigmente Eumelanin (schwarzbraun) und Phäomelanin (rotgelb) bestimmen. Während bei einem wildfarbenen Degu das schwarze Eumelanin und das rote Phäomelanin im Haar die typische Agouti-Bänderung bilden, verhindert Non-Agouti (a/a) die Ausbreitung von Phäomelanin, sodass das Haar von der Wurzel bis zur Spitze schwarz ist. Bei der rezessiven Extension-Mutation (e/e) ist der Fall genau umgekehrt: Das rote Phäomelanin verdrängt die schwarzen Pigmente, sodass das Tier rotes Fell hat.

Die Kombination von a/a und e/e würde also bedeuten, dass hier ein Konflikt entsteht: Das eine Gen befördert jeweils die Ausbreitung des einen Pigments, sodass das andere Pigment unterdrückt wird.
Was passiert nun also, wenn diese beiden Genmutationen des Degus kombiniert werden?


Ein Blick auf andere Tierarten verheißt, dass es zwei Möglichkeiten gibt:
Zum einen könnte sich die Ausbreitung des roten Phäomelanins gegenüber der Non-Agouti-Mutation durchsetzen, sodass a/a e/e sich äußerlich nicht von A/A e/e unterscheidet.
Anderenfalls könnten aber auch beide Pigmente im Haar vorhanden sein, jedoch in einer Anordnung welche sich von der normalen Wildfarbe unterscheidet.

 

Rot + Schwarz = Rot

Das Phänomen dass sich bei a/a e/e das rote Pigment gegenüber dem schwarzen durchsetzt, kann unter anderem bei der Farbmaus beobachtet werden. Die Kombination aus Black (a/a) und Recessive Red (e/e) ergibt rote Mäuse mit dem Gencode a/a e/e.
Ebenso kennt man dieses Phänomen aus der Pferdezucht. Die Kombination von Rappe (a/a) mit Fuchs (e/e) ergibt Fuchs (a/a e/e).
Bei der Norwegischen Waldkatze ist die e/e-Mutation als Amber bekannt. In Kombination mit a/a fällt ebenfalls Amber (a/a e/e).

Goldhamster des Farbschlags Cream sehen mit dem Gencode a/a e/e genauso aus wie mit A/- e/e.
Als letztes Beispiel sei noch die Farbe Rot bei Meerschweinchen genannt, deren Färbung sowohl auf Agouti-Basis als auch auf Non-Agouti-Basis rotgelb ist.

 

Rot + Schwarz = Rot mit schwarzem Tipping

Jedoch liefert die etwas eigenwillige Genetik des Hauskaninchens eine alternative Möglichkeit. In der deutschen Nomenklatur wird Non-Agouti (einfarbig) als g bezeichnet und die rezessive Extension-Mutation (Schwarz-Modifizierer) als b. Die Kombination bg wird als genetischer Code für den bekannten schwarz-roten Thüringer-Farbschlag verwendet. Kaninchen dieses Farbschlags haben eine gelbrote Deckfarbe über die ein rußartiger Schleier liegt. Insbesondere Kopf, Ohren, Läufe und Blume sind hiervon betroffen.
Sehr ähnlich ist der Farbschlag Kohlfuchs oder Nutmeg bei der Mongolischen Rennmaus. Auch hier ist der genetische Code a/a e/e und die Tiere haben eine gelbes Unterfell und dunkelbraunes Tipping.


Es bleibt also doch noch ein klein wenig spannend.

update 01/2017

Mittlerweile ist das erste Foto eines Degus mit der Kombination a/a e/e aufgetaucht. Die Färbung entspricht der exakten Mischung von roten und schwarzen Pigmenten und wirkt milchschokoladenbraun. Wäre klar, dass es sich um die Kombination von a/a und e/e handelt, würde man wohl von einer Braunaufhellung (b/b) ausgehen.

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