Bestimmungsschlüssel Apodemus

In Foren, die sich mit der Aufzucht und Pflege von einheimischen Wildtieren beschäftigen, wird relativ häufig um Bestimmungshilfe bei Wildmäusen gebeten. Meist geht es darum, ob betreffendes Exemplar nun eine Waldmaus (Apodemus sylvaticus) oder eine Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) ist. Die beiden nah verwandten Arten sehen sich sehr ähnlich, sodass es häufig zu Verwechslungen kommt.

Waldmaus (Apodemus sylvaticus) | Foto: C. E. Noack
Waldmaus (Apodemus sylvaticus) | Foto: C. E. Noack
So offensichtlich wie auf den beeindruckenden Fotos von Christoph F. Robiller sind die Unterschiede leider selten auszumachen. So verschieden die beiden Arten im direkten Vergleich scheinen, so schwierig ist die Artbestimmung, wenn man nur ein einzelnes Exemplar vor sich hat. Wer es genau wissen will, muss einen Bestimmungsschlüssel anwenden. Der Schlüssel von G. Schmidt (1980) gilt für Vertreter der Gattung Apodemus in Mittel- und Nordeuropa.

1 Rücken mit schwarzem Aalstrich, Weibchen mit 8 Zitzen

Brandmaus
(Apodemus agrarius)

- Rücken ohne Aalstrich, Weibchen mit 6 Zitzen

2 Hinterfußlänge mehr als 24mm, zu mindestens 70% ein gelbes Halsband

Gelbhalsmaus
(Apodemus flavicollis)

Hinterfußlänge nur ausnahmsweise 24mm, meist weniger. Niemals mit voll ausgebildetem Halsband

Waldmaus (Apodemus sylvaticus)
Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) | Foto: C. E. Noack
Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) | Foto: C. E. Noack
Brandmaus (Apodemus agrarius) | Foto: E. Neideck
Brandmaus (Apodemus agrarius) | Foto: E. Neideck

Neben den drei genannten ist in Mitteleuropa noch eine weitere Art der Gattung Apodemus bekannt. Die Alpen-Waldmaus (A. alpicola) ist in den Alpen (Frankreich, Schweiz, Deutschland, Italien und Österreich) vertreten, wo sie in Höhen zwischen 550 und 2100 m vorkommt. Sie soll ein weicheres und wolligeres Sommerfell als Gelbhalsmaus und Waldmaus haben. Die Hinterfußlänge ist wie bei der Gelbhalsmaus. Für eine Unterscheidung kann die Färbung oder das Verhältnis von Körperlänge und Schwanz herangezogen werden. (Grimmberger & Rudloff 2009)
Die Zwerg-Waldmaus (A. uralensis) wird vereinzelt als Terrarientier angeboten und kommt im östlichen Österreich sowie Polen vor. Sie ist nur schwer von der Waldmaus zu unterscheiden.  Grimmberger & Rudloff nennen Färbung, Körpermaße, Schädel und Zahnmerkmale.

Zwerg-Waldmaus (Apodemus uralensis) | Foto: E. Neideck
Zwerg-Waldmaus (Apodemus uralensis) | Foto: E. Neideck

mehr

Grimmberger, E. & K. Rudloff (2009): Atlas der Säugetiere Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Natur und Tier-Verlag

Kryštufek et al (2016): Apodemus uralensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T1905A22422463. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T1905A22422463.en.


Schmidt, G.
(1980): Hamster, Meerschweinchen, Mäuse und andere Nagetiere. Eugen Ulmer