Akazienratten

Merkmale

Akazienratten (Thallomys) sind kletternde Langschwanzmäuse aus einer Untergruppe des Arvicanthini-Tribus. Somit besteht eine taxonomische Nähe zu Grasratten und Grasmäusen. Über die Frage, ob es sich um eine Gattung mit einer, zwei oder vier Arten handelt, besteht nochkeine vollständige Einigkeit. Zumindest werden vier Formen unterschieden, von denen wahrscheinlich zwei (paedulcus und nigricauda) nach Europa kamen und sich wahrscheinlich auch vermischt haben.

Die Angaben zum Gewicht variieren zwischen 18 und 81 Gramm. Dies kann bedingt sein durch die Erhebung bei verschiedenen Thallomys-(Unter)arten oder auch dem Umstand geschuldet sein, dass Wildtiere oft leichter sind als Tiere in der Heimtierhaltung. Meyer et al (2008) haben bei T. nigricauda in Südafrika ein durchschnttliches Gewicht von 80 g festgestellt. Die Körperlänge beträgt zwischen 11 und 15 cm, hinzu kommt der dunkle, mehr als körperlange Schwanz. Die Fellfarbe variiert relativ stark, jedoch herrschen Grautöne vor. Die Körperunterseite ist weiß. Das Gesicht ist etwas heller, um die Augen zeichnen sich dunkelbraune Ringe ab.

 

Farbvarianten

Anfang der 00er-Jahre wurden einige stärker oder schwächer abweichende Färbungen identifiziert. Hierzu gehörten unter anderem eine eher ins Braungelbe gehende Variante für die der Name Golden vorgeschlagen wurde, sowie eine Dilute genannte rezessive Aufhellung. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass auch die dunkelbraune Augenmaske in manchen Linien (wahrscheinlich bedingt durch eine rezessive Mutation) fehlt. Besonders beliebt war einige Zeit die bei einem Importtier festgestellte rezessive Scheckung, welche später auch in einem anderen Stamm in Deutschland auftrat. Die reine Zucht dieser Schecken hat einige Varianten hervorgebracht, die vor allem an die Banded-Scheckung bei Farbmäusen erinnern. Grundsätzlich betrifft die Scheckung nur die Körpermitte. Von den Flanken aus kann sich der Weißanteil auch über den ganzen Rücken erstrecken. Mir ist jedoch keine Ausbreitung der Scheckung bekannt, die in Längsrichtung über die Lenden bzw. zum Kopf hin über die Schultern hinaus ginge. Insgesamt lässt sich zu allen Fellmutationen sagen, dass hier betreffende Tiere kleiner und leichter sind als wildfarbene Artgenossen.
 

Biologie

Das Verbreitungsgebiet von Thallomys ist sehr groß und erstreckt sich über weite Teile Südostafrikas bis nach Angola. Die Tiere sind gebunden an baumbestandene Gebiete und sind demnach in Wäldern, Baumsavannen und Akazienbuschland zu finden. Insgesamt ist der Lebensraum von den Hauptnahrungspflanzen Akazien (Acacia) geprägt, jedoch gibt es auch Populationen in akazienfreien Gebieten.

Akazienratten werden von allen Halter_innen insgesamt als soziale Tiere beschrieben. Ebenso existieren Berichte von Paaren, Familienverbänden und ganzen Kolonien im Freiland. Demgegenüber stehen jedoch auch Studien die klar von einer solitären Lebensweise mit großen, sich überlappenden Territorien sprechen (vgl Meyer et al).
Für die Heimtierhaltung empfehlen sämtliche Autor_innen grundsätzlich die Haltung von mindestens zwei Tieren. Hierbei sind sowohl gemischtgeschlechtliche als auch gleichgeschlechtliche Gruppen harmonisch.

Die großen Augen weisen bereits auf eine dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise hin. Meist verlassen Akazienratten mit Einbruch der Dunkelheit ihre Baumhöhle oder das selbst gebaute Nest im Geäst um auf Nahrungssuche zu gehen. Hauptsächlich scheinen sich die Tiere im Freiland von (Akazien-)blättern und darüber hinaus von Samen, Früchten und tierischer Nahrung zu ernähren. In trockenen Gebieten nehmen die Tiere ausschließlich über die Nahrung Flüssigkeit auf. Wilde Akazienratten begeben sich selten auf den Boden und bewegen sich in erster Linie kletternd fort. Weibliche Akazienratten können mehrere Würfe pro Jahr großziehen. Nach einer Tragzeit von 24 Tagen kommen ein bis fünf (meist zwei bis drei) Jungtiere zur Welt. Bei der Aufzucht lässt sich häufig beobachten, dass Jungtiere an den Zitzen hängend von der Mutter durch das Terrarium geschleppt werden. Hierbei handelt es sich um ein natürliches Verhalten, das auch im Freiland vorkommt. Die Jungen sind nach 30 Tagen entwöhnt (Meyer et al)

 

Haltung

Für die Haltung von Akazienratten sind sowohl Terrarien als auch Gittervolieren geeignet. Wichtig ist vor allem eine ausreichende Höhe von mindestens 100 cm. Für zwei Tiere sollte die Grundfläche 0,4m² nicht unterschreiten. Ein Terrarium mit den Abmessungen 80x50x100 cm (LxBxH) kann ausreichend sein, jedoch empfehlen viele Autor_innen zurecht weitaus größere Dimensionen. Insbesondere für züchtende Paare oder Gruppen sind größere Abmessungen unabdingbar. Der Bodengrund kann aus Kleintierstreu (Holz, Hanf, Leinen, Baumwolle) bestehen. Als Einrichtung sollten viele Klettermöglichkeiten in Form von Ästen und Zweigen ungiftiger Bäume und Sträucher gewählt werden. Hier eignen sich Apfel, Birne, Hasel, Buche, Weide und Birke. Neben dunklen Schlafhöhlen (z.B. Nistkästen für Wellensittiche) sollten auch weitere Verstecke wie etwa Korkröhren oder Grasnester angeboten werden, die die Tiere während ihrer Aktivitätszeit aufsuchen können. Besonders die Schlafhöhlen sollten in den oberen Bereichen des Terrariums bzw. der Voliere angeboten werden. Als Nistmaterial eignet sich Stroh, trockenes Laub oder Haushaltspapier. Eine zusätzliche Schicht Baumwollstreu absorbiert abgegebenen Urin und die Feuchtigkeit von ins Nest getragenem Frischfutter. Im Kleintierhandel finden sich etliche Spiel- und Klettermöglichkeiten für Kleintiere und Vögel. Insbesondere das Angebot für Großsittiche und Papageien eignet sich oft auch für die Beschäftigung von Akazienratten. Futter kann auf dem Boden verstreut oder erhöht in Näpfen angeboten werden. Ebenso kann eine Trinkflasche erhöht am Gitter oder an Kletterästen angebracht werden.

Ernährung

Akazienratten sind in erster Linie Pflanzenfresser. Bei Magenuntersuchungen wurde festgestellt dass der größte Teil der vorgefundenen Bestandteile Akazienblätter (A. mellifera, A. luederitzii) waren. Dennoch sind die Tiere nicht rein blattfressend (folivor) sondern nehmen darüber hinaus auch Blüten, Knospen, Früchte und Samen zu sich. Ebenso sind sie nicht streng auf Akazien spezialisiert sondern nehmen auch andere Pflanzenarten auf. Einen Teil der Ernährung machen tierische Bestandteile - vor allem Wirbellose und Vogeleier - aus.

Eine reine Fütterung mit frischen (Akazien-)Zweigen ist schwer zu realisieren und die Annahme, dass die Tiere zu einem Großteil Blätter zu sich nehmen, wird von einigen Halter_innen auch bezweifelt.

Schumacher (2005) empfiehlt die tägliche Fütterung von süßem Obst. Stets verfügbar ist "eine Mischung aus Hamster-, Wellensittich- und Igelfutter".  Auch Sistermann nennt Kleinsämereien und Obst. Dies deckt sich mit den Angaben anderer Autor_innen. Zudem wird immer auch die Gabe von lebenenden Insekten empfohlen. Ich biete meinen Tieren grundsätzlich Großsittichfutter und Obst an. Dazu kommen ebenfalls Insekten. Im Sommer werden belaubte Hasel- und Weidenzweige gerne angenommen. Ebenso Blätter des Zebra-Ampelkrauts (Tradescantia zebrina), Brombeerblätter, Salat, gekeimter Weizen sowie andere Gräser und Kräuter. Wichtig ist, dass immer ausreichend Nahrung und vor allem auch Wasser zur Verfügung steht. Die aktiven Tiere neigen kaum zur Verfettung, jedoch bedeutet Ressourcenknappheit Stress und kann zu Kannibalismus führen.

 

Zucht

Akazienratten lassen sich zunächst sehr leicht nachzüchten. Weibchen werfen meist im Alter von fünf Monaten zum ersten Mal.  Ein wichtiger Gelingensfaktor für eine erfolgreiche Aufzucht ist neben möglichst geringen Störungen die fett- und proteinreiche Ernährung des Muttertiers. Wird hierauf nicht geachtet, sind die Welpen oft zu schwach und werden nicht aufgezogen.

Jungtiere sind nach spätestens sechs Wochen selbstständig, sollten aber noch einige Zeit zur sozialen Reife bei den Eltern bleiben. Mit etwa zehn Wochen können sie abgegeben werden, sofern sie nicht zum Aufbau einer größeren Gruppe bei den Eltern bleiben. Es kommt sehr selten vor, dass der Vater die Töchter deckt. Meist wirft ausschließlich das älteste Weibchen. Die jungen Männchen sind mit frühestens neun Wochen geschlechtsreif.

Von den eingangs genannten Farbvariationen scheint derzeit keine mehr erhältlich zu sein. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Mutationen noch in den aktuellen Beständen schlummern und jederzeit wieder auftauchen können. Es wäre wünschenswert, wenn sich Züchter_innen diesen wieder annehmen würden. 

Vergesellschaftung

Immer wieder werden Artgesellschaften von verschiedenen Tierarten in Zoologischen Gärten und Privathaltungen praktiziert oder zumindest versucht. In einigen Fällen kann dies für die beteiligten Tierarten wie auch die beobachtenden Menschen eine Bereicherung sein. In anderen Fällen, wie etwa bei der Vergesellschaftung unverträglicher Farbmausmännchen mit Vielzitzenmäusen verhindert eine harmonische Gemeinschaft, dass ein Tier vereinsamt. Oft werden jedoch auch Vergesellschaftungen versucht, die offensichtlich oder erst unter genauerer Betrachtung eher schädlich als förderlich sind. Alles Wissen das wir über erfolgreiche oder gescheiterte Artgesellschaften haben, entstammt aus Experimenten die irgendwo veröffentlicht oder kommuniziert wurden. Dies liefert zum einen praktische Tipps zur Durchführung und schützt vor der Wiederholung von Fehlern.
Die Vergesellschaftung von Akazienratten mit Vielstreifengrasmäusen (Lemniscomys barbarus) hat sich als nicht empfehlenswert herausgestellt. Mehr dazu im Blog.

mehr

Meyer, J., D. Raudnitschka & R. Brandl (2008): Biology and ecology of Thallomys nigricauda (Rodentia, Mudidae) in the Thornveld savannah of South Africa. Mammalian Biology - Zeitschrift für Säugetierkunde, Vol. 73. 


Schuhmacher
, S. (2005): Akazienratte. http://www.rodent-info.net/akazienratte_allgemeines.htm

 

Sistermann , R.: Akazienratte. http://exotische-kleinsäuger.de/resources/Akazienratte.pdf