Mitteleuropäische Feldmaus

Die Feldmaus (Microtus arvalis) ist eines der am häufigsten vorkommenden Säugetiere Mitteleuropas. Insbesondere in der Landwirtschaft hat die Art seit Jahrhunderten immer wieder für Verzweiflung gesorgt. In periodisch auftretenden "Mäusejahren", wie etwa 2012 in Thüringen und Sachsen-Anhalt, bevölkern teilweise bis zu 2000 Individuen einen Hektar Getreidefläche. (vgl. Deutscher Bauernverband 2012)

 

Gerade in der älteren Literatur über Nagetiere wird die Feldmaus häufig besprochen und erhält hier, nicht nur in Bezug auf ihre Schadwirkung, oftmals kein freundliches Urteil:

„Die geistige Begabung ist jedenfalls sehr gering, und die Feldmaus dürfte in dieser Beziehung auf der untersten Stufe der Mäuseleiter stehen (...) Sie ist unklug, neugierig, unvorsichtig und vergesslich. Selbst die bitterste Erfahrung macht nur die wenigsten klüger.“ (Floericke 1932, S. 36)


In der Zoo- und Heimtierhaltung ist die Feldmaus jedoch selten zu finden. Die Familie der Wühler ist vor allem durch Hamster (Cricetinae) vertreten. Aus der verwandten Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae) haben sich nur die Steppenlemminge (Lagurus lagurus) wirklich etabliert. Seltener sind noch die Günthers Levantewühlmaus (Microtus [socialis] guentheri) und vereinzelt die aus Ostasien stammende Schilfwühlmaus (Microtus fortis) anzutreffen. Vormals beliebte Arten wie die Brandt-Steppenwühlmaus (Lasiopodomys brandtii) scheinen verschwunden zu sein. Auch die Feldmaus war insbesondere für Farbzüchter_innen einige Zeit ein beliebtes Heimtier. Bis mindestens 2010 wurde auch die Orkney-Feldmaus (Microtus arvalis orcadensis) gehalten.

 

Derzeit wird laut zootierliste.de in keinem deutschen Zoo eine Form von Microtus arvalis gehalten. Auch in den Bestandsmeldungen der BAG Kleinsäuger kommt die Art seit mindestens 2010 nicht mehr vor.

Wühlmäuse insgesamt und Feldmäuse im besonderen sind sehr interessante Terrarienbewohner, die auch als Wildfänge teilweise leicht zahm werden. Da jedoch in vielen Regionen freilebende Mäusepopulationen mit dem Hanta-Virus infiziert sind, sollte ausschließlich auf Nachzuchttiere aus langjähriger Haltung oder Laborzucht zurückgegriffen werden. (vgl. Ulrich et al. 2013)

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet von Microtus arvalis ist sehr groß. Die Art kommt von Spanien über ganz Mittel- und Osteuropa und den Mittleren Osten bis Zentralrussland vor. Ebenso gibt es isolierte Populationen, wie zum Beispiel auf den Orkney-Inseln, wo die Feldmaus vor mindestens 4000 Jahren eingeführt wurde. (vgl. Yigit et al. 2016)

 

Typischerweise bewohnen Feldmäuse offene Wiesen, Weiden und Kulturland bis zu einer Höhe von 2600 m. Seltener sind sie auch in Nadelschonungen anzutreffen (vgl. ebd.). Insbesondere die mitteleuropäische Unterart (Microtus arvalis arvalis) ist auf landwirtschaftlich genutzten Flächen (Raps- und Getreideacker, Viehweiden, Futterkulturen) in mitteldeutschen Trockengebieten anzutreffen. (vgl. TLL 2012)

Biologie

Die Feldmaus hat einen im Vergleich zu Langschwanzmäusen (Muridae) eher gedrungenen Körperbau. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt bei ausgewachsenen Tieren in Mitteleuropa 80 bis 120 mm. Der Schwanz misst etwa 35 bis 40 mm. Die Tiere weisen ein Gewicht von 18 bis 40 g auf. (vgl. Leukers & Jacob 2013)

Die Augen und Ohren sind relativ klein, im Vergleich mit anderen einheimischen Wühlmausarten jedoch groß.

Das Fell ist kurz und glatt anliegend, oberseits hell bis dunkel graubraun. Rötliche Farbtöne fehlen (Leukers & Jacob 2013). Die Körperunterseite ist grauweiß.

Leukers & Jacob (2013) kennzeichnen das Sozialleben der Feldmäuse als "polygynes Paarungssystem mit weiblicher Philopatrie und männlich-basierter Dispersion". Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen. Während Weibchen eine gewisse Treue zu ihren Revieren aufbauen, haben Männchen einen viel größeren Aktionsradius (1200 1500 m²). Ebenso neigen junge Weibchen eher dazu, in der Nähe ihrer Geburtstätte zu bleiben, während Männchen abwandern. Beide Geschlechter leben vorzugsweise solitär und begegnen sich nur zur Fortpflanzung. Bei steigender Populationsdichte bilden Weibchen mit ihren Jungen Familienverbände, die sich nach wenigen Wochen wieder auflösen. Steigt die Population auf eine kritische Dichte, bleiben die Familienverbände bestehen. (vgl. Blatt & Resch 2018; zur Populationsdichte siehe Stein 1958, S. 50)

In der Regel ziehen Weibchen ihre Würfe allein in einer eigenen Nestkammer auf. Nur bei besonders starker Populationsdichte kommt es zu Gemeinschaftsnestern, in denen alle Weibchen auch alle Jungtiere säugen (vgl. Leukers & Jacob 2013). Dies führt jedoch nicht zu einer besseren Aufzuchtrate: Einzelne Weibchen ziehen etwa 60 % des Wurfes erfolgreich auf, in Gemeinschaftsnestern sterben teilweise zwei Drittel der Jungtiere. (vgl. Blatt & Resch 2018; siehe auch Boyce & Boyce 1988)

 

Feldmäuse sind tag- und nachtaktiv. In einem von Sonnenaufgang und -untergang synchronisierten Kurzzeitrhythmus wechseln sich Ruhe- und Aktivitätsphasen alle zwei bis drei Stunden ab (vgl. Daan & Slopsema 1978). Während der Wachzeiten sind die Tiere vor allem mit der Futtersuche und der Sicherung des Territoriums beschäftigt. Feldmäuse bewegen sich hier teilweise sehr schnell laufend fort. Sie können leidlich schwimmen und nur schlecht klettern und springen. (vgl. Blatt & Resch 2018)

 

Im Vergleich zu anderen Mäusearten legen Feldmäuse relativ komplizierte unterirdische Gangsysteme an. Die Tunnel haben einen Durchmesser von etwa 3,5 cm. Nester befinden sich 8 bis 20 cm unter der Erdoberfläche (vgl. Leukers & Jacob 2013). Die Baue von Einzeltieren sind meist simpler und umfassen nur bis zu vier Eingänge, während Familiengruppen komplexere Gangsysteme bauen. (vgl. Blatt & Resch 2018)

Da ein Großteil der Nahrung oberirdisch gesammelt wird, sind die zahlreichen Eingänge durch Trampelpfade verbunden.

 

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Feldmaus im Freiland beträgt vier Monate (Leukers & Jacob 2013). In Gefangenschaft ist nach Weigl (2005) ein Tier 4 Jahre und 9 Monate alt geworden.

Haltung

In der Hochphase ihrer Popularität zwischen 1960 und 1985 wurden Mitteleuropäische Feldmäuse in Heimtierratgebern relativ häufig besprochen. Aufgrund der leichten Haltung und der geringen Geruchsbelästigung gingen einige Autor_innen sogar davon aus, dass sie der Farbmaus den Rang ablaufen würde. Dies hat sich jedoch bekanntlich nicht bewahrheitet. Wer Nachzuchten von Feldmäusen sucht, wird kaum auf Microtus arvalis treffen, sondern eher die Günthers Levantewühlmaus (Microtus guentheri). Ebenso sind aktuelle Haltungsberichte zu Mitteleuropäischen Feldmäusen selten.

 

 Wie bei vielen anderen Tierarten auch lässt sich über den Verlauf der Zeit bei Empfehlungen zum Platzbedarf von Feldmäusen eine deutliche Tendenz zu größeren Abmessungen feststellen. H. Schmidt (1979, S. 110) empfiehlt für ein Paar einen Käfig mit den Maßen 40 x 30 x 30 cm. Gleiche Angaben für Paare bzw. für ein Männchen mit mehreren Weibchen liefert G. Schmidt (1985, S. 161). Schwammberger (1968) erklärt, dass ein Behältnis mit mindestens 20 cm hohen, glatten Wänden keinen Deckel braucht.

Haensel (1983) empfiehlt die Haltung in Terrarien, Vitrinen oder Käfigen. Er macht keine Angaben zu Abmessungen, sondern stellt nur fest, dass die Tiere ausreichend Platz brauchen, damit Laufstraßen zwischen Höhleneingängen erkennbar werden (ebd., S. 85) . Für die ebenfalls besprochene Rötelmaus (Myodes glareolus) wird wird 60 x 30 x 30 cm für ein Paar angegeben (ebd., S. 81).

 

Neuere Literatur zur Haltung von Feldmäusen (in erster Linie die Unterart Microtus arvalis orcadensis) spricht von Aquarien und Terrarien mit einer Grundfläche von mindestens 80 x 40 cm für zwei Tiere (vgl. Ehrlich 2006, S. 115; Sistermann 2008, S. 24 und 74f.). Das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren fordert für zwei Wühlmäuse eine Grundfläche von mindestens 0,5 m² und für jedes weitere Tier 20% mehr Fläche (vgl. BMEL 2014, S. 139). 

 

Auch wenn Feldmäuse zunächst als sehr sozial angesehen werden, sind sie nur bedingt in größeren Gruppen zu halten. Die Tiere leben die meiste Zeit des Jahres solitär und insbesondere die Männchen sind untereinander ausgesprochen unverträglich. Wenn auf Einzelhaltung verzichtet werden soll ist nur die gleichgeschlechtliche Haltung von Weibchen praktikabel. Wenn Nachwuchs gewünscht ist, können auch Paare oder ein Männchen mit mehreren Weibchen zusammen gehalten werden. (vgl. Schwammberger 1968, S. 48; vgl. H. Schmidt 1979, S. 110).

 

Gerade aufgrund der zu großen Teilen unterirdischen Lebensweise der Feldmaus empfiehlt sich die Haltung im Aquarium, sodass ein möglichst tiefer Bodengrund eingestreut werden kann. Ein engmaschiger Gitterdeckel verhindert nicht nur das Entweichen der Tiere sondern auch, dass Substrat durch deren Wühlaktivitäten aus dem Becken geworfen wird. Geeignet sind sowohl handelsübliche Streusorten aus Holz, Hanf oder Flachs als auch ein Gemisch aus Erde und Sand. Für die Stabilität der Gänge und Baue können Heu und Stroh hinzugegeben werden. Weitere Einrichtung ist nach Haensel (1983, S. 85) nicht nötig. Der Boden des Aquariums kann mit Steinaufbauten, Ästen oder Wurzeln gestaltet werden. Vorgegebene Höhlen in Form von umgedrehten Blumentöpfen oder Wellensittichnistkästen werden meist angenommen und erleichtern nötigenfalls eine Nestkontrolle. Kletteräste oder erhöhte Aussichtsplätze werden nicht genutzt. Ein Laufrad wird jedoch gern angenommen.

Ernährung

Als Hauptnahrung nennen Leukers & Jacob (2013) Gräser und Kräuter ("krautige Dicotyle", ebd.), ebenso wie Sämereien und unterirdische Pflanzenteile. Rinde, Moos und Gliedertiere werden ebenfalls aufgenommen.  Laut Blatt & Resch (2018) werden insbesondere Löwenzahn und Klee bevorzugt. Insekten machen zeitweise 20 % der Nahrung aus; Samen, Rinde, Wurzeln und Knollen werden "ausschließlich im Winter verzehrt" (vgl. ebd.). Stein (1958) nennt vor allem Serradella (Ornithopus) und Seggen (Carex), ebenso wie Sauerklee, Rotklee, Löwenzahn und Schachtelhalm (Equisetum) als Hauptnahrung (ebd., S. 42f). Dass Nahrungspräferenzen je nach Population, Untersuchungsgebiet und Jahreszeit unterschiedlich sind, haben unter anderem  Balmelli et al. (1999) nachgewiesen. Bei Wahlversuchen im Labor bevorzugten die Tiere vor allem die Blätter von Gerste, Raps, Schafgarbe und Rotklee sowie Zuckerrübe. Die Tests zeigen, dass jene Pflanzen(teile) bevorzugt werden, die die besten Ernährungseigenschaften (hoher Gehalt an Wasser, Energie, Stickstoff, Zucker, Stärke bei einem möglichst niedrigen Phenolgehalt) aufweisen. (vgl. ebd.)

Auch in der Heimtierhaltung, sollte die Fütterung eher aus Frischfutter und weniger aus Samen und Körnern bestehen. Schwammberger (1968) nennt „Gras, Äpfel, Birnen, Rote Rüben, Mohrrüben, Runkelrüben, Weizen, Mais, Hafer und Brotreste“, während Haensel (1983) „reichlich Gräser, Kräuter (Löwenzahn!), Gemüse und zu allen Zeiten Heu“ sowie ein „Körnergemisch“  empfiehlt (ebd. S. 36). Die Fütterungsempfehlung von Sistermann (2008) für Wühlmäuse allgemein verweist auf (Wurzel-)Gemüse, Salat und Kräuter sowie eine Körnerfuttermischung aus Wellensittich- oder Exotenfutter, Kanarien- oder Waldvogelfutter und Sesam im Verhältnis 7:2:1. Insekten oder Eifutter sollen nur gelegentlich gegeben werden. (vgl. ebd. S. 48)

 

Feldmäuse sollten also vor allem mit Grünfutter ernährt werden, während Körnerfutter nachrangig ist. Grüne Pflanzen sind in der warmen Jahreszeit leicht auf Wiesen und im Park zu beschaffen. Im Winter bieten sich jedoch auch Alternativen wie Salat, Küchenkräuter oder gekeimte Saaten (Winterfütterung von Folivoren). Neben Gräsern und Kräutern sind belaubte Zweige von Obstbäumen und Weide beliebt, ebenso wird Heu gefressen. Neben Wurzelgemüse können auch Fenchel, Salatgurke, Tomaten und andere Gemüsesorten angeboten werden. Die von Sistermann (2008) angegebene Körnerfuttermischung kann durch Haferflocken, Gerste und andere Saaten ergänzt werden.

 

Bei der Gabe von Frischfutter und Trockenfutter liegt der Nahrungsbedarf laut Stein (1958, S. 43) bei 3–3,5 g je 10 g Körpergewicht. Die Nahrung wird größtenteils sofort gefressen, jedoch teilweise auch in den Bau eingetragen. Dies betrifft sowohl grüne Pflanzenteile, als auch Samen oder ganze Getreideähren. Die Tiere nehmen Wasser vor allem über die Nahrung auf, sollten jedoch trotzdem stets eine Trinkflasche zur Verfügung haben.

Als Hauptnahrung nennen Leukers & Jacob (2013) Gräser und Kräuter ("krautige Dicotyle", ebd.), ebenso wie Sämereien und unterirdische Pflanzenteile. Rinde, Moos und Gliedertiere werden ebenfalls aufgenommen.  Laut Blatt & Resch (2018) werden insbesondere Löwenzahn und Klee bevorzugt. Insekten machen zeitweise 20 % der Nahrung aus; Samen, Rinde, Wurzeln und Knollen werden "ausschließlich im Winter verzehrt" (vgl. ebd.). Stein (1958) nennt vor allem Serradella (Ornithopus) und Seggen (Carex), ebenso wie Sauerklee, Rotklee, Löwenzahn und Schachtelhalm (Equisetum) als Hauptnahrung (ebd., S. 42f). Dass Nahrungspräferenzen je nach Population, Untersuchungsgebiet und Jahreszeit unterschiedlich sind, haben unter anderem Balmelli et al. (1999) nachgewiesen. Bei Wahlversuchen im Labor bevorzugten die Tiere vor allem die Blätter von Gerste, Raps, Schafgarbe und Rotklee sowie Zuckerrübe. Die Tests zeigen, dass jene Pflanzen(teile) bevorzugt werden, die die besten Ernährungseigenschaften (hoher Gehalt an Wasser, Energie, Stickstoff, Zucker, Stärke bei einem möglichst niedrigen Phenolgehalt) aufweisen. (vgl. ebd.)

 

Auch in der Heimtierhaltung, sollte die Fütterung eher aus Frischfutter und weniger aus Samen und Körnern bestehen. Schwammberger (1968) nennt „Gras, Äpfel, Birnen, Rote Rüben, Mohrrüben, Runkelrüben, Weizen, Mais, Hafer und Brotreste“, während Haensel (1983) „reichlich Gräser, Kräuter (Löwenzahn!), Gemüse und zu allen Zeiten Heu“ sowie ein „Körnergemisch“  empfiehlt (ebd. S. 36). Die Fütterungsempfehlung von Sistermann (2008) für Wühlmäuse allgemein verweist auf (Wurzel-)Gemüse, Salat und Kräuter sowie eine Körnerfuttermischung aus Wellensittich- oder Exotenfutter, Kanarien- oder Waldvogelfutter und Sesam im Verhältnis 7:2:1. Insekten oder Eifutter sollen nur gelegentlich gegeben werden. (vgl. ebd. S. 48)

 

Feldmäuse sollten also vor allem mit Grünfutter ernährt werden, während Körnerfutter nachrangig ist. Grüne Pflanzen sind in der warmen Jahreszeit leicht auf Wiesen und im Park zu beschaffen. Im Winter bieten sich jedoch auch Alternativen wie Salat, Küchenkräuter oder gekeimte Saaten (Winterfütterung von Folivoren). Neben Gräsern und Kräutern sind belaubte Zweige von Obstbäumen und Weide beliebt, ebenso wird Heu gefressen. Neben Wurzelgemüse können auch Fenchel, Salatgurke, Tomaten und andere Gemüsesorten angeboten werden. Die von Sistermann (2008) angegebene Körnerfuttermischung kann durch Haferflocken, Gerste und andere Saaten ergänzt werden.

 

Bei der Gabe von Frischfutter und Trockenfutter liegt der Nahrungsbedarf laut Stein (1958, S. 43) bei 3–3,5 g je 10 g Körpergewicht. Die Nahrung wird größtenteils sofort gefressen, jedoch teilweise auch in den Bau eingetragen. Dies betrifft sowohl grüne Pflanzenteile, als auch Samen oder ganze Getreideähren. Die Tiere nehmen Wasser vor allem über die Nahrung auf, sollten jedoch trotzdem stets eine Trinkflasche zur Verfügung haben.

Zucht

Die Fortpflanzung im Freiland findet in der Regel von April bis Oktober statt (vgl. Blatt & Resch 2018; vgl. Leukers & Jacob 2013). Bei günstigen klimatischen Bedingungen (wie etwa in der Zimmerhaltung) ist eine ganzjährige Vermehrung möglich.

 

Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 20 Tagen (Frank 1956, S. 177) bringt das Weibchen 1 8 (maximal 12) Jungtiere zur Welt. Durchschnittliche Wurfgrößen variieren je nach äußeren Umständen. Frank gibt im Freiland saisonal ein Mittel von 7 Jungtieren pro Wurf an (siehe auch Leukers & Jacob 2013), in der Laborzucht durchschnittlich 4,36 (Frank 1956, S. 177). Der gesamte Wurf kann bei der Geburt etwa halb so viel wiegen wie das Muttertier: Ein Weibchen von Frank 1956 wog nach der Geburt eines 15,4 g schweren Wurfes genau 30 g (ebd., S. 178). Da eine postpartale Neubelegung des Muttertiers keine Seltenheit ist, können Weibchen durchgehend Nachwuchs produzieren. Ein dokumentiertes Weibchen zog 33 Würfe jeweils mit einer Wurfstärke von 1 8 (Ø3,85) auf (ebd.).

Jungtiere werden 17 bis maximal 20 Tage lang gesäugt. Im Alter von 11 Tagen wiegen die Welpen etwa 5 g und öffnen die Augen (vgl. ebd.; vgl. Boyce & Boyce 1988). Im gleichen Alter sind junge Weibchen bereits fortpflanzungsfähig und es kommt oft schon im Alter von 13 Tagen (mit einem Gewicht von 7 9 g) zu Paarungen mit älteren Männchen. (vgl. Frank 1956, S. 177;  vgl. Leukers & Jacob 2013). Der früheste dokumentierte Wurf im Freiland wurde am 33. Lebenstag des Weibchens festgestellt (Frank 1956). In diesem Alter beginnen beide Geschlechter erstmals eigene Baue zu graben (vgl. Blatt & Resch 2018). In der Käfighaltung lassen sich die Tiere mehr Zeit mit der Zucht. Das Erwachsenengewicht erreichen die Tiere mit etwa 40 Tagen (vgl. Frank 1956).

 

Mehrere Quellen empfehlen die Haltung in Harems von einem Männchen mit vier (H. Schmidt 1979, S. 110) oder bis zu sechs Weibchen (Schwammberger 1968, S. 48). Da Feldmäuse jedoch sehr reproduktiv sind, muss bei dieser Haltungsform mit einer sehr großen Zahl von Nachkommen gerechnet werden. Männchen und Weibchen können zeitweise getrennt und für neue Zuchteinsätze wieder zusammengeführt werden. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass sich die Tiere entweder im Käfig des Männchens oder auf neutralem Boden begegnen. Werden Männchen in den Käfig der Weibchen gesetzt, werden sie oftmals angegriffen.
Muttertiere im Freiland ziehen ihre Würfe größtenteils alleine auf und bilden selten Nestgemeinschaften. In der Heimtierhaltung kommt es hierzu jedoch häufiger. Väter beteiligen sich üblicherweise nicht an der Brutpflege, jedoch konnte Stein (1958, S. 56) nachweisen und fotografisch dokumentieren, dass Männchen Jungtiere, außerhalb des Nestes bergen und zurück in das Nest tragen.

 

Noch bis in die 1980er Jahre waren Fellmutationen bei der Feldmaus weit verbreitet. Neben Nonagouti, Albino und Scheckung wurden auch Chinchilla, Pink Eye Dilution und andere Varianten gezüchtet (Farbmutationen der Feldmaus). Mittlerweile scheint sicher, dass diese Mutationen sämtlich ausgestorben sind und wohl auch nicht mehr in Laborzuchten vorhanden sind.

Mehr

Balmelli, l., W. Nentwig & J.-P. Airoldi (1999): Nahrungspräferenzen der Feldmaus Microtus arvalis in der Agrarlandschaft unter Berücksichtigung er Pflanzeninhaltsstoffe. Zeitschrift für Säugetierkunde 64. S. 154168. ftp://ieeservftp01.unibe.ch/pub/iee/groups/syn/publications/pdfs/1999/balmelli1999.pdf

 

Blatt, C. & Resch, S. (2018): Feldmaus Microtus arvalis. In: Internethandbuch über Kleinsäugerarten im mitteleuropäischen Raum: Körpermerkmale, Ökologie und Verbreitung. kleinsaeuger.at, Salzburg.

 

Boyce, C. C. K. & J. L. Boyce III (1988): Population Biology of Microtus arvalis. I. Lifetime Reproductive Success of Solitary and Grouped Breeding Females. In: Journal of Animal Ecology Vol. 57, No. 3 (Oct., 1988), S. 711722.

 

Daan, S. & S. Slopsema (1978): Short-term Rhythms in Foraging Behavior of the Common Vole, Microtus arvalis. In: Journal of Comparative Physiology. https://www.rug.nl/research/portal/files/14534025/1978JCompPhysiolADaan.pdf

 

Deutscher Bauernverband (2012): Feldmäuseplage in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Pressemeldung am 12.07.2012. https://www.bauernverband.de/schwerpunkt-ernte-2012?redid=521259

 

Ehrlich, C (2006): Kleinsäuger im Terrarium. Natur- und Tierverlag.

 

Floericke, K. (1932): Nagetiere. Kosmos, Stuttgart

 

Frank, F. (1956): Das Fortpflanzungspotential der Feldmaus, Microtus arvalis (Pallas) eine Spitzenleistung unter den Säugetieren. In: Zeitschrift für Säugetierkunde 21. S. 176181. https://www.zobodat.at/pdf/Zeitschrift-Saeugetierkunde_21_0176-0181.pdf

 

Haensel, Joachim (1983): 100 Tips für den Kleinsäugerfreund. Urania Verlag.

 

Leukers, A. & J. Jacob (2013): Schadnagerprofile. Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. S. 47.  http://feldmaus.julius-kuehn.de/dokumente/upload/ab022_leukers_u_jacob2013schadnagerprofile.pdf

 

Schmidt, G. (1985): Hamster, Meerschweinchen, Mäuse. Ulmer, Stuttgart.

 

Schwammberger, K. (1968): Kleine Säugetiere - richtig gepflegt. Kosmos Franckh, Stuttgart.

 

Sistermann, R. (2008): Steppenlemminge und andere Wühlmäuse. Natur und Tier-Verlag, Münster.

 

Stein, G. H. W. (1958): Die Feldmaus. Die Neue Brehm-Bücherei

 

Tkadlec, E. (1997): Early age of vaginal opening in common voles (Microtus arvalis ). Folia Zoologica 46, S. 17.

 

TLL Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz  (2012): Merkblatt zur Bekämpfung von Feldmäusen in landwirtschaftlichen Flächen. Freistaat Thüringen.

 

Ulrich, R.G., Imholt, C., Krüger, D.H., Krautkrämer, E., Scheibe, T., Eßbauer, S.S. & Pfeffer, M. (2013). Hantaviren in Deutschland: Gefahren für Zoo-, Heim-, Haus- und Nutztier?, In: Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 126, Heft 11/12, S. 514526. https://bagsites.de/wp-content/uploads/2017/10/ulrich_2013_bmtw.pdf

 

Weigl R. (2005): Longevity of Mammals in Captivity; from the Living Collections of the World. Kleine Senckenberg-Reihe, Band 48. E. Schweizerbart'sche, München.

 

Yigit, N., Hutterer, R., Krystufek, B. & Amori, G.  (2016): Microtus arvalis. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T13488A22351133. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-2.RLTS.T13488A22351133.en.