Goldstachelmäuse

Namensgebend für die Goldstachelmaus (Acomys russatus) ist ihr auffällig goldgelbes Fell. Im Vergleich zu anderen Arten der Gattung hat diese Stachelmaus sehr viel auffälliger abstehende Stacheln. Seit 2015 sind Nachzuchten der Goldstachelmaus wieder häufiger auf Terraristikbörsen und in Kleinanzeigen für exotische Säugetiere zu finden. Hierbei handelt es sich meist um Tiere mit beinahe orangefarbener Rückenbehaarung (lat. russatus = rotgewandet). Noch zehn Jahre zuvor waren unter der Bezeichnung Helle Goldstachelmaus (A. r. russatus) Tiere mit eher gelblichem Rückenfell im Handel zu finden. Jedoch lässt sich schwer sagen, ob diese Bestimmung korrekt ist. Während Dieterlen (2013, S. 230f) keine Unterarten anerkennt und nur von Formen spricht, erklären Lee et al. (1998), dass vier Unterarten exitstieren, deren Unterscheidung sehr einfach sei. Nach ihrer Definition scheinen die aktuell gehaltenen Tiere eher A. r. russatus zu sein, während die Goldstachelmäuse vor 10 Jahren der Unterart A. r. aegyptiacus entsprechen:

Acomys russatus lewisi (Syrien, Jordanien) grauschwarze Form
Acomys russatus russatus
(Sinai-Halbinsel)

Rötlicher und dunkler als

A. r. harrisoni oder A. r. aegyptiacus

Acomys russatus aegyptiacus (Kairo-Region) gelblicher und heller als A. r. russatus
Acomys russatus harrisoni (Totes-Meer-Region)  kleiner und blasser als A. r. russatus
vgl. Lee et al. (1998), S. 1

Laut Zootierliste.de gibt sind derzeit im Frankfurter Zoo und im Tiergarten Heidelberg Helle Goldstachelmäuse (A. r. russatus) zu sehen. Tiere ohne Unterartstatus sind für Aquazoo Düsseldorf, Reptilienzoo Allgäu, Tierpark Schönebeck und ebenfalls den Tiergarten Heidelberg (Nachzuchten aus Frankfurt) angegeben.

In Tierbestandsmeldungen der BAG Kleinsäuger kommen sowohl A. r. russatus als auch A. russatus vor. Die zwischen 2011 und 2016 eingereichten Zahlen aus privaten Haltungen schwanken von 2 bis 35 Tiere bei
Acomys russatus
, während A. r. russatus von 2012 bis 2015 aus dem Zoo Plzen gemeldet wurde und dann nicht mehr.

Biologie

Jungtier mit deutlich orangefarbenen Stacheln am Hinterrücken. Gleichalte Exemplare um 2005 waren heller und gelblich.
Jungtier mit deutlich orangefarbenen Stacheln am Hinterrücken. Gleichalte Exemplare um 2005 waren heller und gelblich.

Die Goldstachelmaus ist eine mittelgroße Mäuseart mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 9 - 11,7 cm. Anders als bei den übrigen Acomys-Arten ist der Schwanz mit 5,6 - 7,5 cm weniger als körperlang (vgl. Dieterlen 2013, S. 231). Ein großer Teil der Individuen büßt im Laufe des Lebens Teile des Schwanzes ein. Viele Tiere haben im Erwachsenenalter gar den Schwanz vollständig verloren. Grimmberger & Rudloff (2009) legen sich nicht fest, ob hierfür innerartliche Aggression oder Fressfeinden verantwortlich sind. Da jedoch sowohl wildlebende als auch in Gefangenschaft gehaltene Goldstachelmäuse betroffen sind, kann davon ausgegangen werden, dass die Ursache bei den Artgenossen liegt. Das durchschnittliche Gewicht liegt bei 37 g (24 - 53,2 g) (vgl. Dieterlen 2013, S. 231)

Laut Lee et al. (1998) liegt das ermittelte Durchschnittsgewicht von ausgewachsenen Tieren in Gefangenschaft bei 42,5 g. Ebenso werden regionale wie saisonale Abweichungen mit einem Durchschnittsgewicht von bis zu 75,4 g zitiert. (vgl. ebd. S. 1)

Acomys russatus ist vornehmlich tagaktiv und verlässt bei Sonnenaufgang die Verstecke in Felsspalten und zwischen Steinen, um mit der Futtersuche zu beginnen. Die Hauptnahrung stellen Wüstenpflanzen dar, die gleichzeitig auch die Flüssigkeitsversorgung sicherstellen. Goldstachelmäuse sind mehr als die meisten Wüstentiere in der Lage, schadlos auch salzhaltige Pflanzen zu verwerten und hochkonzentrierten Urin auszuscheiden. Auch Insekten, Schnecken und andere Wirbellose werden in großer Menge aufgenommen.

Verbreitung und Lebensraum

Das aktuelle Verbreitungsgebiet wird von der IUCN Redlist auf der Sinai-Halbinsel und die arabische Halbinsel entlang der Ostküste mit einer davon abgetrennten Population (A. r. lewisi) in Jordanien und der syrischen Wüste markiert. In den restlichen Teilen Ägyptens jenseits der Sinai-Halbinsel soll die Art in den letzten 50 Jahren nahezu ausgerottet worden sein, was dann vor allem Acomys russatus aegyptiacus betrifft.

Das natürliche Habitat ist sind felsige Gebiete am Rand der als wadi bekannten Täler und in bergigen Regionen bis 2000 m Höhe. In vielen Regionen teilen sie mit der nachtaktiven Kairo-Stachelmaus (A. cahirinus) den gleichen Lebensraum, die beiden Arten meiden sich jedoch durch entgegengesetzte Aktivitätsphasen (vgl. Lee et al. 1998, S. 3).

Haltung

Altes Weibchen ohne Schwanz
Altes Weibchen ohne Schwanz

Für alle größeren Arten der Gattung Acomys fordert das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren eine Grundfläche von mindestens 0,5 m² für zwei Tiere und 20 % mehr für jedes weitere Tier (vgl. BMEL 2014, S. 139). Die Empfehlungen anderer Autor_innen sprechen von mindestens 50 x 50 cm (Honigs 2008, S. 26) bzw. 80 x 40 cm (Ehrlich 2006, S. 118) für ein Paar. Bei all diesen Angaben handelt es sich um Mindestangaben. Während die meisten anderen Stachelmausarten ausgesprochen gesellig sind und gut in größeren Gruppen gehalten werden können, wird für die Acomys russatus die Paarhaltung empfohlen (z.B. Ehrlich 2006, ebd.). Hierbei wird neben dem erwarteten Zuchterfolg vor allem auf das Abbeißen der Schwänze in größeren Gruppen verwiesen. Jedoch gibt es auch Hypothesen, die in Klima- und Beleuchtungsverhältnissen den Grund für abgebissene Schwänze sehen. Dem sei mit hoher Lichtintensität und hohen Temperaturen am Tag bei einer spürbaren Nachtabsenkung entgegenzuwirken. Ebenso soll die Luftfeuchtigkeit möglichst niedrig sein.

Somit empfiehlt es sich, mit entsprechender Terrarienbeleuchtung sowohl für ausreichend Licht als auch (lokal) für entsprechende Wärme zu sorgen. Die Luftfeuchtigkeit kann durch großzügige Gitterflächen und  sowie durch ein möglichst Feuchtigkeit bindendes Substrat niedrig gehalten werden. Neben handelsüblichen Streusorten aus Holz, Flachs oder Hanf sind hier vor allem ton- oder lehmhaltiger Sand, feiner Kies und Maisspindelgranulat zu nennen. Als Unterschlupfmöglichkeiten werden neben Hamsterhäusern aus dem Zoofachhandel auch auch einsturzsichere Steinaufbauten, halbierte Tonblumentöpfe oder ähnliche Kunsthöhlen angenommen. Für die weitere Einrichtung eignen sich Aststücke, Wurzeln und große Steine.

Ernährung

Katzenfutter, Mehlwürmer und rote Hirse
Katzenfutter, Mehlwürmer und rote Hirse

Als Anpassung an ihren natürlichen Lebensraum mit spärlicher Vegetation und klimatischen Extremen, ist die Goldstachelmaus in der Lage, mit wenig Nahrung auszukommen, nährstoffarme Pflanzenteile zu verwerten und darüber hinaus Fettreserven anzulegen. Bei einer reichhaltigen Fütterung mit kalorienreicher Nahrung, wie zum Beispiel Ölsaaten, lässt sich somit sehr schnell eine Gewichtszunahme bis zur Verfettung feststellen, ebenso neigen die Tiere zu Diabetes, wenn sie falsch ernährt werden.

Die gesunde Fütterung von Goldstachelmäusen sollte deshalb möglichst fett- und energiearm gestaltet sein. Im Freiland macht ein Großteil der Nahrung (bis zu 65%) Insekten, Spinnentiere und andere Wirbellose aus (vgl. Honigs 2012, S. 18). Deshalb liegt es nahe, auch hier eine proteinreiche Fütterung vor allem mit lebenden oder getrockneten Gliedertieren zu gestalten. Sofern nicht täglich Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer oder auch junge Achatschnecken angeboten werden können, sollte ein kalorienarmes Trockenfutter für Katzen oder Eifutter für Vögel gereicht werden. Gute Erfahrungen wurden auch mit der täglichen Gabe von Gräsern, Kräutern und belaubten Zweigen gemacht. Geeignet sind neben Wegerich, Gänseblümchen, Rispengras (Poa), Schachtelhalme und Zaunwinde auch Zweige von Weiden und Hasel. Ebenso können Salat (Chicoree) und Gemüse (Fenchel, Sellerie, Salatgurke, Zucchini) gereicht werden. Körnerfutter ist nur in kleinen Mengen nötig. Hier eignet sich eine Mischung aus Wellensittichfutter, Grassamen und verschiedenen anderen Kleinsaaten. Gekeimte Samen sind besonders beliebt. Goldstachelmäuse nehmen einen Großteil der von ihnen benötigten Flüssigkeit über die Nahrung auf. Dennoch sollten sie stets Zugang zu einer Wasserflasche haben.

Jaja 

Zucht

Das Jugendfell ist zunächst grau
Das Jugendfell ist zunächst grau

Während sich bei der Haltung anderer Stachelmausarten relativ schnell Nachwuchs einstellt und dieser problemlos großgezogen wird, ist die Zucht von Goldstachelmäusen etwas komplizierter. Obwohl auch bei Acomys russatus gegenseite Geburtshilfe unter verwandten Weibchen vermutet wird (vgl. Lee et al 1998), empfehlen viele Züchter_innen, die Haltung von Paaren oder einem Männchen mit höchstens zwei Weibchen. Die Literatur über Acomys russatus bezieht sich beim Thema Angaben zur Fortpflanzung oftmals nur auf Daten über Stachelmäuse allgemein, weshalb hier nur Aufzeichnungen eines Zuchtpaares zwischen 2004 und 2005 wiedergegeben werden. Die Geschlechtsreife tritt bei Acomys allgemein im Alter von 2 bis 3 Monaten ein (vgl. Lee et al. 1998; Ehrlich 2006; Honigs 2008), bei Goldstachelmäusen eventuell eher im Alter von 3 Monaten. Die allgemein angegebene Tragzeit ist 4 bis 5 Wochen. Stachelmäuse kommen insgesamt sehr weit entwickelt, mit Fell und teilweise geöffneten Augen zur Welt (vgl. ebd.). Goldstachelmäuse kommen zwar weniger weit entwickelt zur Welt und ihre Augen öffnen sich auch erst in der ersten Lebenswoche, jedoch scheint die Tragzeit dennoch eher 5 Wochen zu betragen. Genauso wie bei der Zwergstachelmaus (Acomys spinosissimus), glückt die Jungenaufzucht in der Heimtierhaltung nicht immer. Jungtiere werden teilweise von den Eltern getötet und gefressen und in anderen Fällen selbst kurz vor dem Entwöhnen vernachlässigt und ignoriert. Es empfiehlt sich also, Stressfaktoren (soziale, physiologische und physikalische) so gut es geht abzustellen und die Tiere möglichst nicht zu stören. Die bei der Geburt etwa 7 g schweren Welpen tragen ein graues und vergleichsweise weiches Jugendfell. Die Stachelborsten sind kaum spürbar und auch die typische goldgelbe Färbung entwickelt sich erst später. Ausgehend vom Hinterrücken breiten sich die gelben oder orangefarbenen Stacheln nach über den Großteil der Körperoberseite aus. Gerade in dieser Phase ist der Unterschied zwischen den heute als A. russatus und den damals als A. r. russatus gehandelten Tieren am deutlichsten. Erst ab der 3. Lebenswoche nehmen die Heranwachsenden ausreichend feste Nahrung auf, um ohne Muttermilch zu überleben. Vollständig entwöhnt sind sie mit etwas mehr als 4 Wochen.

mehr

BMEL. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2014): Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren.

 

Dieterlen, F. (2013): Cairo Spiny Mouse (Northeast African Spiny Mouse). In: Kingdon, J., D. Happold, T. Butynski, M. Hoffmann, M. Happold, J. Kalina: Mammals of Africa. Bloomsbury, London.

 

Ehrlich, C. (2006): Kleinsäuger im Terrarium. Natur und Tier-Verlag, Münster.

 

Grimmberger, E. & K. Rudloff (2009): Atlas der Säugetiere Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Natur und Tier-Verlag, Münster.

 

Honigs, S. (2008): Stachelmäuse. Natur und Tier-Verlag, Münster.

 

Honigs, S. (2012): Ernährung von Stachelmäusen. Rodentia 68, Juli/August 2012. Natur und Tier-Verlag, Münster.

 

Neideck, E. (2016): Stachelige Gesellen - Stachelmäuse der Gattung Acomys. Eliomys 1/2016, S. 30-37.

 

Lee, T. E., J. F. Watkins & C. G. Cash (1998): Acomys russatus. In: Mammalian Species, Vol. 590, S. 1-4. https://doi.org/10.2307/3504355