Kaktusmäuse

In den europäischen Tierhandel gelangen nur wenige Neuweltmäuse. Von den etwa 500 Arten der drei Gruppen von Neuweltmäusen (Neotominae, Tylomyinae und Sigmodontinae) sind derzeit wahrscheinlich nur noch vier Arten in kleiner Zahl vertreten. Besonders die Baumwollratte scheint im Begriff zu sein, in der Haltung auszusterben. Neben der Hirschmaus und der Küstenmaus (sowie deren Hybridform) hält sich seit einiger Zeit eine weitere Peromyscus-Art: Die Kaktusmaus (P. eremicus).

Merkmale

Mit den beiden Schwester-Arten ihrer Gattung ist die Kaktusmaus kaum zu verwechseln. Das samtige Fell ist länger und gibt ihr ein einzigartiges Aussehen. Eher besteht eine optische Ähnlichkeit zum Turkmenischen Maushamster (Calomyscus).
Ausgewachsene Kaktusmäuse erreichen eine Kopf-Rumpf-Lännge von etwa 7 - 10 cm. Der Körperbau ist gedrungener als der von Farbmäusen. Der Schwanz ist etwas mehr als körperlang. Das Gewicht liegt bei 18 bis 40 g. Weibchen werden meist größer und schwerer als Männchen (Dice 1939; Davis 1966).

Das dichte, weiche Fell ist vergleichsweise lang und wollig. Die Fellfarbe der in Europa nachgezüchteten Kaktusmäuse ist eher grau mit gelber Unterfarbe. In der Natur ist eine große Färbungsvariation - auch als Anpassung an den jeweiligen Lebensraum - nachgewiesen. Die Körperunterseite ist fast rein weiß. Der Schwanz ist nur sehr leicht behaart.

Verbreitung und Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von P. eremicus sind steinige Wüsten und Halbwüsten in Nordmexiko und dem Südwesten der USA. Man findet sie zudem auf einzelnen Inseln im Golf von Kalifornien und auch in Höhen über 2000 m. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass die Kaktusmaus in Kalifornien eine eigenständige Art ist (P. fraterculus). Die Population ist klein und stabil. Es handelt sich um keine gefährdete Art. (Linzey et al 2008)

Lebensweise

Die Kaktusmaus ist ein ausgesprochen nachtaktives Nagetier. Ihre Aktivität ist in hellen Vollmondnächten am höchsten. Die Tiere verbringen die Nacht mit der Suche nach Futter und dem Absichern ihres Territoriums. Einige Autor_innen widersprechen sich, was das Anlegen von Vorräten angeht. Eine eingehende Untersuchung von Barry (1976) zeigt, dass P. eremicus im Vergleich zu vier anderen Arten der Gattung die größten Vorräte anlegt.
Als ausgesprochene Bodenbewohner sind Kaktusmäuse zwar in der Lage zu klettern, erreichen hierbei jedoch nicht annähernd die Fähigkeiten von die man besonders von Hausmäusen (Mus musculus) kennt. Den Tag verbringen Kaktusmäuse in Felsspalten und Erdbauten. Letztere werden entweder selbst gegraben oder von anderen Tierarten übernommen. Die Schlafhöhle wird mit Pflanzenteilen und anderen weichen Materialen ausgepolstert. In besonders heißen und trockenen Perioden ist es auch möglich, dass P. eremicus für einige Zeit in einen Trockenschlaf (Torpor) fällt.

Das Sozialleben der Kaktusmaus kann in der Natur als lose und vorübergehende Paarstruktur charakterisiert werden. Das bedeutet, dass sich gegengeschlechtliche Partner finden und zu zweit gemeinschaftlich Jungtiere aufziehen, jedoch nicht ihr Leben lang zusammen bleiben.

Haltung

In der Haltung zeigen sich Kaktusmäuse genügsam und ruhig, jedoch auch relativ scheu und teilweise schreckhaft. Es ist kaum möglich, sie tagsüber oder am frühen Abend zu beobachten. Die Hauptaktivitätszeit beginnt nach Mitternacht.


Für die Unterbringung empfehlen die meisten Autor_innen Terrarien und Aquarien. Die Monografie von Veal & Caire (1979) finden sich keine Hinweise zu Käfigabmessungen und -ausstattung. Elsner (2006) nennt die Abmessungen 100 x 30 x 30 cm (L x B x H) für eine kleine Gruppe. Dies deckt sich auch mit der Angabe von 0,3m² für kleine Mäuse im so genannten Säugetiergutachten (BMEL 2014). Danzl (2010) und Ehrlich (2006) empfehlen 80 x 40 x 40 cm. Da Kaktusmäuse eher Läufer als Kletterer sind, ist die Höhe des Beckens eher zweitrangig nach der Fläche. 
Die Einrichtung des Terrariums kann dem trockenen Lebensraum der Mäuse nachempfunden werden. Die Haltung auf Sand oder einem Erde-Sand-Gemisch ist bei dieser Art relativ problemlos. Mit großen Steinen und Savannenholz aus dem Terraristikhandel lässt sich relativ einfach eine abwechslungsreiche und tiergerechte Einrichtung herstellen. Ebenso ist auch eine konventionelle Haltung mit normaler Kleintierstreu als Substrat möglich. Hier empfiehlt sich jedoch, stets ein Sandbad, vorzugsweise mit Chinchillasand, anzubieten. Als Nistmaterial kann Heu, Stroh trockenes Laub oder Zellstoff angeboten werden. Die Einrichtung sollte ausreichend Versteck- und Klettermöglichkeiten beinhalten, jedoch genug Lauffläche lassen. Zusätzlich angebotene Laufräder werden von vielen Individuen gerne angenommen.

Ernährung

Der natürliche Lebensraum der Kaktusmaus ist trocken und karg. Teilweise herrscht sogar Nahrungsknappheit, auf die die Tiere mit Torporphasen reagieren. In der Natur ernährt sich P. eremicus laut mehrerer von Veal & Caire aufgeführter Autor_innen von Saaten, Früchten und Blüten von Stauden und Sträuchern. Ebenso werden Insekten und grüne Pflanzenteile aufgenommen. Feuchtigkeit wird vor allem über die Nahrung aufgenommen.

 

In der Heimtierhaltung hat sich eine Fütterung, wie sie für Rennmäuse und Grasmäuse empfohlen wird, bewährt. Eine Basis aus Sittich- und Exotenfutter kann mit Grassamen und anderen Kleinsaaten gemischt werden. Ebenso bieten viele Online-Shops getrockenete Blüten und Kräuter an.

Tierische Proteine sollten nicht fehlen. Lebende Insekten werden nicht von allen Kaktusmäusen angenommen. Alternativ können gefriergetrocknete Grillen und Heuschrecken oder Trockenfutter für Hunde und Katzen angeboten werden.

Als Frischfutter eignen sich gekeimte Samen, Salat, Zucchini, Karotte, und anderes Gemüse ebenso wie Futterpflanzen im Topf, die mittlerweile in vielen Zoofachgeschäften angeboten werden. Auch wenn P. eremicus in der Lage ist, ihren Flüssigkeitsbedarf vollständig über die aufgenomme Nahrung zu decken, sollte eine Trinkflasche angeboten werden.

Zucht

Ein Kaktusmauspaar wird bei angemessener Haltung und Fütterung relativ bald beginnen, sich zu paaren. Männchen und Weibchen beteiligen sich am Bau eines Wurfnests. Nach einer Tragzeit von 21 Tagen kommen durchschnittlich zwei bis drei nackte, taube und blinde Jungtiere zur Welt. Das Weibchen hat zwei Paar Zitzen und säugt den Wurf mindestens drei Wochen, laut King (1963) bis zu 44 Tage. Die anfangs durchschnittlich 2,5 g schweren Jungen sind in der Lage, sich an den Zitzen festzusaugen und können so vom Muttertier transportiert werden. Die Zähne stoßen am dritten Lebenstag durch, frühestens ab dem neunten Tag öffnen sich die Ohren, gefolgt von den Augen. Das graue Jungenfell ist mit 14 Tagen komplett ausgebildet. Bereits drei Wochen später findet der Fellwechsel zum eher gelblichen Erwachsenenfell statt. Bereits im Alter von 39 Tagen wurde bei Weibchen der erste Östrus nachgewiesen. Es ist also möglich, dass jugendliche Kaktusmäuse noch vor der eigenen Entwöhnung bereits trächtig sind. Diese Fall tritt jedoch sehr selten ein. In der Natur bleiben Jungtiere meist bis zur 8. - 10. Lebenswoche bei den Eltern und gehen dann eigene Wege. Vollständig ausgewachsen sind sie mit einem halben Jahr.

mehr

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2014): Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren. http://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/Tierschutzgutachten/_texte/HaltungSaeugetiere.html

 

Barry, W. J. (1976): Environmental effects on food hoarding on deermice (Peromycus). Journ. Mammal. 57

Danzl, C. (2010): Lustige Gesellen für das Terrarium. Kaktusmäuse. Rodentia Exoten Nr. 53

Davis, W. B. (1966): The mammals of Texas. Bulletin of the Texas Game and Fish Commission

Dice, L. R.
(1939): Variation in the Cactus Mouse, Peromyscus erremicus. Contrib. Lab. Vert. Genet., University of Michigan

Ehrlich, C. (2006): Kleinsäuger im Terrarium. Biologie. Haltung. Zucht. Natur und Tier-Verlag, Münster

 

Elsner, M. (2006): Die Kaktusmaus (Peromyscus eremicus). http://www.agamen.de/nager/ME/kaktusms.html

King, J. A. (1963): Maternal behavior in Peromycus. In: Rheingold, H. E. (Hrsg.): Maternal behavior in mammals. Jon Wiley and Sons, New York

 

Linzey, A.V., R. Timm, S.T. Álvarez-Castañeda, I. Castro-Arellano & T. E. Lacher (2008): Peromyscus eremicus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T16659A6242367. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2008.RLTS.T16659A6242367.en.

 

Owings, D. H & R. B. Lockard (1971): Different nocturnal activity patterns of Peromyscus californicus and Peromyscus eremicus in lunar lighting. Psychonomic Sci. Sect. Anim. Physiol.

 

Veal R., & W. Caire (1979): Peromyscus eremicus. Mammalian Species, No. 118