Mongolische Rennmäuse

Mongolische Rennmaus Polarfuchs
Polarfuchs (e/e g/g) - Weibchen

Biologie

Die Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus) wurde vor etwa 150 Jahren in der Mongolei entdeckt. Es handelt sich um eine relativ häufige Art aus der Unterfamilie der Rennmause (Gerbillinae). Anders als bis vor kurzem noch angenommen wird diese Tiergruppe nicht mehr zur Verwandtschaft der Wühler (Cricetidae) gezählt, wie etwa Wühlmäuse oder Hamster, sondern scheint nach aktuellem Stand zu den Langschwanzmäusen (Muridae) zu gehören.

Ihr Verbreitungsgebiet und Lebensraum ist denen des Campbell-Zwerghamsters sehr ähnlich: Die Mongolische Rennmaus bewohnt Steppen und Halbwüsten, aber auch Kulturland in der Mongolei, China, Mandschurei und Südsibirien.

Die gesellige Rennmaus bewohnt in Familienverbänden und Kolonien große selbst angelegte Bauten, teilweise nutzen sie (wie Campbell-Zwerghamster auch) die Tunnelsysteme der Brandts Steppenwühlmaus (Lasiopodomys brandtii). Durchschnittlich verfügt ein Bau über ein fünf bis sechs Meter langes Gangsystem und fünf bis zehn Eingänge. Die ganze Familie schläft in der einzigen Nestkammer, Futtervorräte werden in gesonderten Kammern gelagert.

Als Bewohner offener Gebiete hat die Mongolische Rennmaus ein sehr großes Gesichtsfeld mit ausgeprägtem Nachtsehen, aber auch ein sehr gutes Gehör. Sie entfernt sich nie weit von einem Eingang in den Bau oder anderen Deckungsmöglichkeiten, um beim geringsten Verdacht eines Feindes blitzschnell darin zu verschwinden.

 

Während die wilde Mongolische Rennmaus eine Kopf-Rumpf-Länge von 10 - 13 cm  bei einem Gewicht von 60 g aufweist, sind die Tiere in der Heimtierhaltung größer und schwerer. Rennmause aus der Standardzucht sind teilweise mehr als doppelt so groß und doppelt so schwer (120 - 150 g) wie ihre wilden Verwandten. Die Schwanz fast körperlang. In ihrer Heimat gilt sie als Schädling und Krankheitsüberträger, ist in ihrem Bestand aber trotz Bekämpfung nicht gefährdet.

Weibchen sind im Alter von acht Wochen geschlechtsreif, Männchen vier Wochen später. Nach einer Tragzeit von 23 bis 26 Tagen kommen durchschnittlich fünf bis sechs nackte und blinde Junge zur Welt. Die Haarspitzen treten am vierten Lebenstag durch die Haut, nach fünf Tagen öffnen sich die Ohren, nach zweieinhalb Wochen die Augen. Der Wurf wird etwa vier Wochen von der Mutter gesäugt.

Haltung

Mongolische Rennmaus Poolvos
Polarfuchs (e/e g/g) - Männchen

1935 wurden erstmals zwanzig Paare der Mongolischen Rennmaus wild gefangen und in einem japanischen Insitut weitgezüchtet. Nachkommen aus diesem Bestand gelangten in den 50er Jahren in eine Versuchstierzucht in New York und von dort aus in die Heimtierhaltung.

In Europa wurde mit der Versuchstierhaltung von Rennmäusen 1964 in England begonnen. Die Universität von Birmingham erhielt eine Kolonie aus den USA. Von da aus verbreitete sich die Rennmaus sehr schnell als beliebtes Versuchs- und Heimtier. Jährlich werden Hunderttausende für die Forschung in unterschiedlichsten Disziplinen verwendet. 1995 wurden weitere Tiere in der Mongolei gefangen und erfolgreich nachgezüchtet.

Kohlfüchsin
Kohlfuchs (a/a e/e) - Weibchen

 In der Haltung als Heimtier galt und gilt die Rennmaus auch heute noch als genügsam und anspruchslos. Glücklicherweise gibt es mittlerweile, wie auch bei anderen Kleintieren, ein fortschreitendes Umdenken, was die Haltungsbedingungen angeht. Besonders wichtig ist für die soziale Tierart die Haltung von mindestens zwei Individuen oder einer kleinen Gruppe. Das Terrarium oder Aquarium mit Gitterdeckel sollte für zwei Tiere mindestens 80 cm Kantenlänge aufweisen und reich strukturiert sein. Bei der Haltung von mehr Tieren sollte eine entsprechende größere Fläche zur Verfügung stehen. Die Einrichtung sollte reich mit Höhlen, Klettermöglichkeiten und Aussichtspunkten strukturiert sein. Da Rennmäuse viel Zeit mit dem Bau und der Erweiterung von Tunnelsystemen verbringen, sollte der Bodengrund möglichst hoch eingestreut werden und so stabil sein, dass Gänge nicht sofort einstürzen. Hierfür eignet sich beispielsweise eine Mischung aus Hanf- oder Holzstreu und Heu. Verschiedene Substrate [Zellulosestreu, Maisspindelgranulat, Rindenmulch, Stroh] können schichtweise eingestreut werden. Wichtig ist auch eine Schale mit Chinchillasand, der der Körperpflege und dem Stressabbau dient. Weiterhin wichtig für das Wohlbefinden der Rennmäuse sind ausreichende Möglichkeiten, dem Nagetrieb gerecht zu werden. Hierzu eignen sich frische Apfel-, Hasel-, Weiden- und Birkenzweige, aber auch Papprollen und Eierkartons.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Gefangenschaft beträgt drei bis vier Jahre.

Mongolische Rennmaus Polarfuchs
Polarfuchs (e/e g/g)

Ernährung

Eine große Wissenschaft scheint bislang noch die richtige Ernährung von Rennmäusen zu sein. Wilde Mongolische Rennmäuse ernähren sich je nach Lebensraum von Saaten und im Sommer bevorzugt von grünen Pflanzenteilen. Hierzu gehören Samen, Stängel, Blätter und Knospen von Beifuß, Hanf, Buchweizen, Salzkraut, verschiedene Hirsearten, Wermut, Gänsefußgewächse. Auf Kulturland werden neben Getreide auch Feldfrüchte aufgenommen. Samen und Getreideähren, teilweise auch Wermutzweige und Sprossen verschiedener Kräuter werden als Wintervorrat gesammelt und eingelagert.

Im Labor nehmen die Tiere etwa 10 Gramm Futter am Tag auf. Große Showzucht-Tiere benötigen mehr.

Nach dem vielbeachteten Futterkonzept von Sistermann (2004) besteht die ideale Grundmischung für Mongolische Rennmäuse aus folgenden Zutaten:


Wellensittichfutter 50%
Grassamen 30%
Kanarienfutter 20%

Dieser Mischung können verschiedene andere Bestandteile wie Buchweizen, Hafer, Hanf, getrocknete Kräuter usw. beigefügt werden.

Blaufuchs (a/a e/e g/g)
Blaufuchs (a/a e/e g/g)

Als Frischfutter eignet sich, wie bei Zwerghamstern und anderen Steppenbewohnern auch, verschiedenes Wurzelgemüse. Da Rennmäuse selten anfällig für Diabetes sind, können neben den zuckerarmen Sorten wie Schwarzwurzel und Petersilienwurzel auch Karotte und Rote Beete gefüttert werden. Ebenso geeignet sind Gräser, Kräuter und Salat wie etwa Löwenzahn, Hirtentätschel und Feldsalat. Frisch gekeimtes Körnerfutter wird gerne angenommen. Auch wenn regelmäßig viel Frischfutter angeboten wird, sollte dennoch immer Wasser in einer Trinkflasche angeboten werden.

Sistermann empfiehlt für die Proteinversorgung, jedem Tier wöchentlich entweder zwei Mehlwürmer, zwei Heimchen oder auch einen Teelöffel Insekten- bzw. Eifutter zu reichen.


mehr zum Thema:

http://rodent-info.net/mongolische_rennmaus_allgemeines.htm

http://www.rodent-info.net/futterkonzept.htm

http://www.rennmaus.de/