Kulturfolger

Eine besondere Tiergruppe sind die sogenannten "Kulturfolger". Während es Tiere gibt, die in besiedelten Gebieten immer seltener werden und sich sogar eher in Lebensräume zurückziehen, in denen sie vorher nicht vorkamen, gibt es gleichermaßen auch Tiere, die wortwörtlich die Nähe des Menschen suchen.

Kaum aus der Stadt wegzudenken - Die Taube
Kaum aus der Stadt wegzudenken - Die Taube

Wenn man an Kulturfolger denkt, kommt man als erstes auf Tiere, die in jedem noch so dicht bebauten Gebiet vorkommen. Amseln und Kohlmeisen sind in Dörfern genauso wie in den größten Städten allgegenwärtig. Sie nutzen den vom Menschen gestalteten Raum für sich und durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit ist beispielsweise die Amsel in Städten eine dominierende Vogelart, während die Artgenossen im Wald nicht nur um einiges scheuer sind, sondern auch in viel geringerer Anzahl pro km² vorkommen.

Weitere berühmte Kulturfolger sind natürlich die Hausmaus und die Wanderratte. Sie sind dem Menschen von Nordostasien aus über die ganze Welt gefolgt. Überall wo Menschen sind, sind sie auch. Selbst in Forschungscamps  in der Antarktis gibt es Hausmäuse.

Bei den anpassungsfähigen Nagetieren finden wir viele weitere Beispiele. Eingeschleppte Tierarten machen sich oft in Städten breit (Bisam in Nürnberg, Nutria in Cottbus). Auch bei unseren einheimischen Arten gibt es echte Kulturfolger. Der Name des Gartenschläfers lässt schon auf seine Verbundenheit mit dem Menschen schließen.

 

Je näher uns ein Tier räumlich ist, desto eher kommt der Gedanke, dieses auch einzufangen und im Haus zu halten. Sei es als Schädling oder aus Interesse an der Haltung bzw. Nutzung. So ist es kaum verwunderlich, dass für Laborexperimente gerade nicht der scheue Rattenartige Zwerghamster (Tscherskia triton) verwendet wurde, sondern die kulturfolgenden Arten: Streifenhamster, Dsungarische- und Campell-Zwerghamster sind sehr anpassungsfähig und kommen auch in Kulturland vor. Ähnlich verhält es sich bei den afrikanischen Vielzitzenmäusen. Einige Arten dieser Gattung finden sich selbst in Nomadenhütten, wo sie Essensreste und Insekten vertilgen. Nicht nur in Südafrika sind sie beliebte Labortiere.

 

Eine eher neue Entwicklung gibt es beim Feldhamster. Da seine natürlichen Lebensräume durch die Landwirtschaft immer kleiner werden und die immer mehr optimierte Agrartechnik ihm oft auch auf bewirtschafteten Flächen keine Lebensgrundlage mehr lassen, wuchs die Angst, dass der größte Hamster der Welt hier in Deutschland aussterben könnte. Viele Schutzmaßnahmen wurden getroffen (bei weitem nicht genug) und Erhaltungszucht wird unter anderem im Heidelberger Zoo betrieben. Wie der Feldhamster selbst auf seine Unterdrückung reagiert, sehen wir an Beispielen aus Wien. Hier leben Feldhamster in höherer Dichte mitten in der Stadt.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    tina (Mittwoch, 02 Februar 2011 20:59)

    Ich beobachte die wilden Feldhamster in Wien - wer mehr über sie lesen, Bilder und Videos sehen möchte, der kann gerne auf meinem Feldhamster-Blog vorbeischauen: http://feldhamster-in-wien.blogspot.com/

    Momentan sind sie allerdings im Winterschlaf.