Tierspedition - Ärgerliche Odyssee

Ich versende seit Jahren Tiere mit einer Tierspedition, was lange Zeit auch vollkommen problemlos war. Man konnte selbst kurzfristig online eine Abholung veranlassen und die Tiere waren am Folgetag vor 12 Uhr am Ziel. Der Preis war immer OK und alle Tiere sind immer gesund angekommen.
Selbst Preisänderungen, welche Trasporte teilweise 30% teurer machten, wurden von den Vorteilen der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit aufgewogen. Im letzten Jahr habe ich eine Spedition beauftragt, Cururos in einem Tiergarten abzuholen. Da im Online-Formular das Auswahlfenster "Tiergattung" keine Option "Cururos" beinhaltete, konnte ich die Tierart nicht angeben. Die Folge war, dass die Spedition meinen Auftrag einfach ignoriert hat und die Tiere versandfertig einen Tag länger auf den Transport warten mussten. Das war sehr ärgerlich, aber ich habe dieses Versagen als Ausnahme abgehakt.
Mittlerweile hat sich meine Ansicht jedoch geändert.

Chronologie eines Tierversands

13. April
Ich habe einige Jungtiere zur Abgabe. Es gibt mehrere Interessent_innen. Die Tiere werden reserviert. Ich warte auf Geldeingang.

 

18. April

Vier Hamster, die nach Köln reisen sollen, sind bezahlt. Ich erhalte die Bestätigung des Speditionsauftrags, den der Abnehmer erteilt hat. Abfahrt ist am 22. April zwischen 12 und 15 Uhr.

 

20. April

Das Geld für fünf Hamster, die in die Schweiz reisen sollen, geht ein. Ich übernehme die Bestellung der Spedition. Die Tiere sollen nur bis Konstanz transportiert werden, von dort aus werden sie dann von der Schweizer Abnehmerin abgeholt. Ich erteile selbst den Auftrag an die Spedition: 22. April zwischen 12 und 15 Uhr.

 

22. April

7.22 Uhr: Die Spedition ruft bei mir an, weil ihr gerade aufgefallen ist, dass sie für den Nachmittag "kein Auto in Darmstadt hat". Der Fahrer soll bis 10.00 Uhr bei mir sein. Ich versuche schnell die Tiere einzufangen, einzupacken und versandfertig zu machen.


8.15 Uhr: Der Fahrer ruft an und sagt, dass er in zehn Minuten da sein wird. Ich fülle gerade noch die neuen Versand"aufkleber" aus, die man selbst downloaden sowie ausdrucken muss und auf denen man Telefonnummer sowie Notfallversorgung, nicht jedoch die Zustelladresse angeben muss. Bei Nichtbeachtung fallen Gebühren von 17.85 € an und der Transport wird nicht durchgeführt.

 

8.28 Uhr: Der Fahrer steht vor der Wohungstür, ich habe nur auf das Köln-Paket einen Zettel aufgeklebt. Da der Fahrer im Halteverbot steht und mir versichert, dass das alles ausreicht und er ja auch alles auf seinem elektronischen Auftragsorganizer hat lasse ich ihn mit einer beklebten Transportkiste (Köln) und zwei Kisten für die Schweizer Grenze mit losen Zetteln losgehen. Nach wenigen Sekunden war er wieder draußen.

 

23. April
Die Hamster sind vormittags bei den angegebenen Adressen angekommen.

Mittags erhalte ich eine Email von der Schweizer Grenze: Die falschen Tiere sind angekommen. Die vier Hamster für Köln wurden also in die falsche Richtung transportiert. Gegen Nachmittag erfahre ich, dass die Schweizer Hamster in Köln sind. Die Schweizer Abnehmerinnen entscheiden sich nach einem Telefonat mit der Spedition, die Hamster zunächst mit nach Hause zu nehmen, da ein Transport weitere vier Tage dauern würde. Ich schreibe mit den beiden Parteien aus Köln und der Schweiz Emails, damit geklärt werden kann, wie weiter vorgegangen wird. Alle hatten explizit diese Tiere haben wollen. In Köln ist auch nicht Platz für zwei Gruppen, während man in der Schweiz auf Weibchen gewartet hatte.
Gleichzeitig fordere ich die Spedition auf, sich bei den Parteien zu melden um das Problem zu klären.

 

24. April
Ich fordere die Spedition erneut auf, sich mit den Parteien auseinanderzusetzen. Im Verlauf des Tages kommt eine Email von der Spedition in der man sich entschuldigt und versichert, die Betroffenen kontaktiert zu haben

 

26. April

Der Kölner Abnehmer hat sich von alleine bei der Spedition gemeldet, diese hat sich entschuldigt und den Tauschtransport für 29. April veranlasst.

 

29. April

Ich bekomme diese Email aus Köln:
"die Spedition hat mich gerade angerufen und mir gesagt, dass die Tiere heute nicht mehr abgeholt werden. [...] Der Spediteur wollte mir weiß machen, dass er hier war obwohl er es nicht war. Der Mann am Telefon war außer sich und versucht bis morgen eine Direkt-Mitfahrgelegenheit zu organisieren."

30. April

Der Transport soll nun am 2. Mai stattfinden. Die Schweizer Abnehmerinnen treten da nun zum dritten Mal die Reise an die Grenze an.

 

2. Mai
Die Tiere wurden abgeholt. Sie sind nun seit acht Tagen unterwegs.

3. Mai

Die Tiere sind nach 11 Tagen alle bei den ihnen zugedachten Besitzer_innen angekommen.

Auswertung

Tierversand ist im Gegensatz zur Logistik von Gegenständen nach wie vor ein heikles Unterfangen. Ich bin froh, dass es mittlerweile  Unternehmen gibt, die diese Dienstleistung anbieten, jedoch zeigt unter anderem die Erfahrung, die ich zuletzt gemacht habe, dass man sich genau überlegen sollte, ob man sich und den Tieren diese Strapazen antun sollte.

Es kommt zu oft vor, dass Tiere nicht gemäß Auftrag pünktlich abgeholt und zuverlässig ausgeliefert werden. Der Preis von knapp 40 Euro, der für den Transport anfallen könnte, sollte dies jedoch gewährleisten. Die Fahrer_innen stehen nach meiner Erfahrung immer unter großem Zeitdruck, müssen ihre immer wieder neuen Tagestouren hart kalkulieren und scheinen deshalb auch auf dem Rücken der Tiere hoch zu pokern. Dem Fahrer bei mir hätte klar sein müssen, dass eine Verwechslung besteht, wenn er Transportkisten abholt, auf denen Adressaufkleber nicht vollständig aufgeklebt sind. Der Abholer in Köln hätte wissen müssen, dass er mit seiner Notlüge, er sei vor Ort gewesen und habe niemanden angetroffen, nicht durch kommt.
Da sowohl Versender_innen als auch Empfänger_innen nicht den ganzen Tag bereitstehen können, um Tiere abzugeben oder in Empfang zu nehmen, müssen Zeitfenster eingehalten werden. In dem beschriebenen Fall gab es keine Notunterkunft für die eine Gruppe in Köln, sodass die Tiere die meiste Zeit in ihrer Transportkiste verbringen mussten.

Die neuen verpflichtenden Versandaufkleber zeigen, dass das Logistiksystem Schwachstellen hat und darauf reagiert wurde. Das funktioniert aber nur, wenn Zeit genug ist, die Versand"aufkleber" auszufüllen und aufzukleben.

Der Kontakt zwischen Spedition und Kund_innen ist nicht hinnehmbar. Insbesondere da es um lebende Tiere geht, die nicht einfach in einer Lagerhalle geparkt werden können, muss auch vonseiten des Unternehmens ein Interesse bestehen, Tiere pünktlich auszuliefern. Hierzu sollte, wenn z.B. Unsicherheit besteht, welche Tiere wo hin gebracht werden müssen, der_die Zuständige bei der Abholadresse anrufen und noch einmal nachfragen.

 

Ich habe mich dazu entschieden, dieser Spedition keine Aufträge mehr zu erteilen und habe sie auch aus meiner Linkliste gestrichen. Interessent_innen, die Tiere nicht selbst bei mir abholen können, mache ich auch auf den oben beschriebenen Fall aufmerksam. Zugegeben: In den meisten Fällen war die Abwicklung immer unproblematisch, aber der Stress bei diesem Transport reicht fürs erste aus, mir Versand per Tierlogistik abspenstig zu machen.

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Kommentare: 3
  • #1

    Jessy (Montag, 06 Mai 2013 13:54)

    Gleiche Spedi holt bei mir Hamster ab, der Fahrer guckt mich mit großen Augen an: "Das sind ja Tiere."

    No comment..

  • #2

    Nadine C. (Hamsterzüchterin) (Montag, 06 Mai 2013 14:23)

    netter Beitrag ;)

    wir versenden seit Jahren mit Illonex, und hatten nie probleme bis her, nur einmal eine Ansteckung mit Milben auf dem Transport, aber das Risoko geht man ja ein wenn gleichzeitig viele Tiere transportiert werden. Wir gehen imemr auf nummer sicher udn schreiben auf den Tierversandkleber die Empfängeradresse drauf ;) sollte man sich vll angewöhnen ^^

    ich weiß nicht mit welcher Firma du versendet hast , ABER in letzter zeit hört man öfter das solche Vertauschungen passieren, teils sogar unterschiedliche Arten !

    in der Anfangszeit haben wir oft mit Goevex versenden, war jedesmal total mit Problemen verbunden, Unpünktlichkeit, Geld kassieren beim falschen , oder gar nicht erst kommen ect... nicht ein Tierversand hat mit denen reibungslos geklappt ^^

  • #3

    Malin S. (ebenfalls Hamsterzüchterin) (Montag, 06 Mai 2013 19:15)

    Wir haben auch jahrelang mit Ilonexs verschickt und nie Probleme gehabt. Heute wurden 3 Sendungen für 3 verschiedene Empfänger abgeholt, beauftragt wurde von den Empfängern das mir neue Unternehmen "Mytierversand", gekommen ist aber ein Fahrer von Ilonexs... ;). Das mit den selbst auszufüllenden Aufklebern (allerdings mit Absender und Empfänger) war mir neu, allerdings ist es mir bei mehreren Boxen für mehrere Adressaten auch ganz lieb so. Zeitfenster bei uns heute war 16-18 Uhr, da ist um 16 Uhr erst von der Arbeit komme. Vorsorglich habe ich sofort alle Tierchen eingeboxt, da stand auch schon der Fahrer vor der Tür. Ich habe ihm gesagt, dass ich noch 5 Minuten brauche zur Frischfuttergabe, Fotos der Hamster in der Box machen(mache ich immer so, sorgt für beide Seiten für eine gewisse Sicherheit) und Aufkleber aufkleben. Er hatte kein Problem damit und fand die Tiere sogar super interessant. Ob alles reibungslos geklappt hat, kann ich dann morgen berichten...;)